ihr Koͤrper durch die Nervenkrankheit eine Wendung erlebt hatte, welcher Florentin's Umarmung unvertilgbar einge⸗ praͤgt blieb. Denn auch die Sinne haben ihr hartnaͤckig Gedaͤchtniß.
So ward ſie in Fontainebleau, wohin der Koͤnig ſie von der Genofeven⸗Abtei fuͤhrte, die freie, ruͤckhaltloſe Gefährtin des Königs, und ihr Betragen gegen alle Um⸗ gebung und die ganze uͤbrige Welt erlitt demgemaͤß eine voͤllige Umwandlung. Sie war nicht mehr ſchuͤchtern und beſcheiden, denn ihrem Sinne nach ſtahl ſie keineswegs die hohe und maͤchtige Stellung, nein, dieſe Stellung und Macht kam ihr zu durch das hoͤchſte Recht der Erde, durch die Liebe.
Louiſe von Angoulème, des Koͤnigs Mutter, empfand dies natuͤrlich zuerſt und empfand es mit dem groͤßten Wi⸗ derwillen, und ward zuerſt die Feindin Frangoiſens, dieſer hochmuͤthigen Kreatur, wie Louiſe ſie nannte, dieſer ver⸗ ſtellungskundigen Schlange, welche mit Sanſtheit und Un⸗ ſchuld kokettirt habe und ſich jetzt geberde wie eine geborene Koͤnigin. War doch ſogar Duprat in den erſten Monaten ſchwankhaft geweſen, ob er nicht beſſer thaͤte, ſich dieſer aufgehenden Sonne anzuſchließen, ſtatt ihr, wie Louiſe von Angouléme ſtuͤrmiſch verlangte, Schatten werfend entgegen zu treten. Frangoiſe naͤmlich, welcher auch die Verwandten Semblangay's bittweiſe genaht waren, wie politiſches Un⸗ gluͤck an jede neue Macht ſich klammert, Francoiſe hatte dieſen wie der Diana von Breze ihre Hilfe verſprochen und war dadurch ſogleich auf den Boden Duprat's gerathen. Duprat, die kuͤhne Logik der Liebe nicht begreifend, ſuchte


