213
ſchweigen wuͤrden. Mit Erſtaunen ſah er, daß ein ſchmach⸗ tender Zug allem Andern voraus dieſen noch ſchwachen, ſchoͤnen Koͤrper beherrſche, und daß nach den erſten Spa⸗ ziergaͤngen auf die ſonnige Wieſe hinab an warmen, alles Leben aufweckenden Maͤrztagen dieſer ſchmachtende Zug alle Pulſe, des raſch wieder aufbluͤhenden Weibes erfuͤlle. Sie erſchien ihm wie eine Braut, die alle Freuden der Liebe ahne, und die in braͤutlichem Stolze dieſe Ahnungen gar nicht zu verhuͤllen trachte! Er hatte Muͤhe, ſich zurecht zu finden! Und doch war ihm Eins deutlich genug: dieſe auf⸗ bluͤhenden Wangen, dieſe meiſt geſenkten und dann ſo tief aufgluͤhenden dunkeln Augen, dieſer oft leiſe geoͤffnete Mund, der ſich taͤglich hoͤher roͤthete uͤber den kleinen friſch⸗ glaͤnzenden Zaͤhnen, dieſer Schmelz, der auf Schultern und Arme wiederkehrte, alles das war ſo wenig als fruͤher ihm, dem ſie jetzt freundlich laͤchelte, auch nur einen Augenblick zugedacht, es bluͤhte eben darum ſo raſch wieder auf, weil es einer entſchiedenen Neigung entgegenbluͤhte wie einer aufgehenden Sonne. Deshalb huͤtete er ſich auch wohl, ſeine eigne ſinnliche Freude nur im Mindeſten wahrnehmen zu laſſen, er hielt ſich fuͤr hinreichend gewarnt, um noch ein⸗ mal einer Wallung zu Liebe Alles auf's Spiel zu ſetzen. Ein Moͤnch nach dem andern trug dagegen die zuverſicht⸗ lichſten Nachrichten nach Paris, ja er ſah ſich bald auf dem Punkte, der ſo wunderbar plotzlich entſchiedenen Francisca Vorſicht und Zöͤgerung anzuempfehlen. Denn mit tiefer Geringſchätzung wies dieſe jedes ſchuͤchterne Wort Chime⸗ nens zuruͤck, welche zuweilen Beſorgniſſe aͤußerte, und Furcht ausdruͤckte vor hohen, herausfordernden Stellungen im Le⸗


