Teil eines Werkes 
1. Band (1846)
Entstehung
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Waͤhrend ſo in der Stille uͤber ſie verfugt wurde lag die Graͤfin zwei Monate lang in einem hitzigen Fieber, deſſen Ausgang nicht abzuſehen war, und welches mitunter ſo heftige Parorismen mit ſich führte, daß die Vernichtung des Lebens zu befuͤrchten ſtand. Aber die Politik rechnet auf Leben, wenn ihr Leben eintraͤglicher ſcheint, und die Politik gewann ihr Spiel: die Iungendkraft der Graͤfin uͤberdauerte den Angriff der Krankheit. Als die Sonne wieder ihre erſten warmen Strahlen auf die Suͤdweſtſeite der Abtei warf, und die ringsum ſteilen Hoͤhen wieder ſo weit erſtie⸗ gen hatte, um ihren breiten Glanz unten auf die Wieſe vor Frangoiſen's Fenſter zu werfen, ja bis in's Zimmer ſelbſt, bis an's Bett der dem Leben wieder Gewonnenen zu kom⸗ men, da wurde die Seele der Geneſenden wieder lebendig, und ſie begann geordnet zu ſprechen, und ſah ſich um nach ihrer Umgebung. Der Anblick Chimenens, die ununter⸗ brochen bei ihr gebkieben war, ſchien ſie unangenehm zu beruͤhren. Wachte denn der Verdacht wieder mit ihr auf, dies unſchuldige Kind habe damals das Geheimniß der Flucht verrathen, und die Mutter herabgefuͤhrt vom Schloſſe? Hatte die Erwachende denn uͤberhaupt nach ſo verwuͤſten er Krankheit, welche das Gedaͤchtniß fuͤr die letzte Lebens⸗ ſepoche zu ſchwaͤchen pflegt, eine deutliche Ruͤckerinnerung? Sie hatte dieſe nicht, aber auf uͤberraſchende Weiſe war Alles, was ſie in den letzten Tagen vor ihrer Krankbeit erlebt, thaͤtig in ihr geweſen, unerwartete Neigungen und Abneigungen in ihr zu begruͤnden. Es war als ob alles, was ihr vor der Krankheit begegnet, Samenkorn geworden und ohne Zuthun waͤhrend der Unbewußtheit des Geiſtes 14*