Teil eines Werkes 
1. Band (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

202

Florentin, den er bereits haßte, hatte ihn mit ſeinen Erobe⸗ rungsplaͤnen auf Koͤnig Franz tief erbittert, denn wenn er auch ein Liebling des Koͤnigs und ſeinerſeits ein Verehrer des ritterlichen Koͤnigs war, ſo ging doch die Hingebung nicht ſo weit, daß er ihm die ſchoͤne Graͤfin neidlos gegoͤnnt haͤtte. Ja, es war ein romantiſcher Zug der Uneigennuͤtzig⸗ keit in ſeiner Neigung, aber was dieſer Zug an Opfer foͤrdern konnte, das mußte auf eine ſchoͤne Weiſe in Anſpruch genommen, nicht aber in den gewinnſuͤchtigen Kalkuͤl eines Anderen eingerechnet werden. Dieſer offen ausgeſprochene Kalkul Florentin's ergrimmte Brion dergeſtalt, daß es den Prieſter wahrſcheinlich das Leben gekoſtet haͤtte, wenn er, aus dem Fenſter ſpaͤhend, dem zornigen Seigneur nahe gekommen waͤre. Denn dieſer hatte das Schwert gezogen, als die Stimme Florentin's ſich dem Fenſter naͤherte, und die damals herzukommende Margot hatte ſomit ihrem Sohne das Leben gerettet. Als ſie mit Frangoiſe allein war hoͤrte Brion das Gefluͤſter fremder Stimme, und verhielt ſich ruhig, da er nicht mit Beſtimmtheit wiſſen konnte, es ſei dies die befreundete Margot. Sobald das Fluͤſtern auf⸗ hoͤrte, rief er leiſe den Namen der Graͤfin; es erfolgte keine Antwort, und es kam dem durch die lange Spannung auf⸗ geregten Manne ein unerwarteter Schrecken: ein großer Vogel nämlich rauſchte mit ſchwerem Fluͤgelſchlage dicht

äber ſeinem Haupte in das Zimmer hinein, und unmittelbar

darauf drang der Name Francois gellend an ſein Ohr. Brion war nicht beſonders aberglaͤubiſch, aber er war nicht frei von dem Aberglauben ſeiner Zeit und aller Zeiten. Die Erſcheinung und der Name des Koͤnigs, der von Zeit