——
196
um zehn Uhr wird das Thor des Staͤdtchens geſchloſſen, und wir koͤnnen dann nicht an die Arriege⸗Bruͤcke, die Ar⸗ riege iſt aber jetzt ſo groß und gefäͤhrlich, daß man ſie nir⸗ gend anderswo paſſiren kann.
Unter dieſen Worten waren ſie, die Thuͤr hinter ſich angelweit offen laſſend, bis an die Treppe gekommen, wo der Kreuzgang des erſten Stocks endigte, und wo man hinabſtieg in den Kreuzgang des Erdgeſchoſſes, deſſen eine Richtung geradeein auf die Wohnung des Pfortners fuͤhrte. Francoiſe hielt Margot an der Treppe einen Augenblick feſt, um Athem zu ſchoͤpfen, Angſt und ſchneller Gang hatten ihr die Bruſt zugeſchnuͤrt. Es war Alles ſtill rings⸗ um; durch breite Bogen, welche von viereckigen Pfeilern getragen wurden, und den Kreuzgang nach dem Hofe off⸗ neten, ſah man in den erſten Hof der Abtei hinab. Der Mond beſchien ihn klar, Kiemand war zu ſehn. Da, als ſie eben hinabſteigen wollten, da hoͤrten die Frauen hinter ſich, und ſie ſchracken zitternd zuſammen, ein Geraͤuſch, und den gellenden Namensruf der jungen Graͤfin, der ſich in dem gewölbten Gange, in der todtenſtillen Nachtzeit und in ſolcher Lage entſetzlich durch die Luft verbreitete.
Jeſu Maria! rief Margot und ſah ſich um, waͤhrend die Graͤfin in die Kniee ſank, ohne das Haupt zu wenden. Gott ſteh uns bei! ſtoͤhnte ploͤtzlich Margot, und fiel ebenfalls auf die Stufen nieder; ſie hatte keinen Menſchen geſehn, aber ein Rauſchen, ein naͤher kommendes, und eine dunkle Maſſe unter der Decke des Gewoͤlbes bemerkt, und die für ſie uͤbernatürliche Erſcheinung, welche bereits naht uͤber ihrem Haupte war, warf ſie zu Boden. Der


