Teil eines Werkes 
1. Band (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

b

trachtete. Ich trachte nach Gluͤck fuͤr Dich, aber nach dauerndem. Ich habe Dich verſucht, weil ich Dich nicht mehr kannte, und ich habe eingeſehn, daß ich Dich ver⸗ kannt. Du biſt reiner, aber auch unerfahrener als ich glauben mußte. Deshalb iſt Dein Sieg uͤber die Hinder⸗ niſſe der Welt ſchwerer, und Du bedarſſt meiner Hilfe mehr, als Du jetzt einzuſehen vermagſt. Nachdem ich Dich ſo falſch beurtheilt und unter ſo falſchen Geſichtspunkten empfangen und angeredet, erwarte ich nicht, daß Du mir zunaͤchſt glauben und mein Beſtreben um Dich anerkennen werdeſt. Und doch bedarf's dieſes Glaubens an mich, wenn Du ſiegen ſollſt. Deshalb, Francisca, mußte ich jetzt auf Deinem Hierbleiben beſtehn. Aber auch wenn ich Dich nicht aufklaͤren und unterrichten muͤßte, nimmermehr wuͤrde ich Dich mit einem leichtbluͤtigen Seigneur ziehn laſſen. Das hieße allen Vortheil in die Winde ſtreun, allen Vortheil, welchen Dein furchtſam tugendhaftes We⸗ ſen bis jetzt zu Wege gebracht. Wie, Francisca, Du liebſt den Koͤnig, und—

Frangoiſe, die unmoͤglich wollen konnte, daß Brion Dergleichen hoͤrte, unterbrach den Prieſter mit ſtarker Stimme: Was berechtigt Dich, Prieſter, zu ſolcher dreiſten Vorausſetzung?

Du liebſt ihn ſchwaͤrmeriſch, fuhr Florentin ruhig fort, den ritterlichen Koͤnig Franz, Du ſiehſt ihn bemuͤht, entbrannt fuͤr Dich, und fliehſt ihn um jeden Preis, kurz, du handelſt ſo tugendhaft und klug zu gleicher Zeit, daß man Deine Tugend fuͤr klug, Deine Klugheit fuͤr tugend⸗ haft halten muß, und allgemein dem Augenblicke entgegen