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und vergißt zu waͤgen: andere Frauen mit weniger reizba⸗ rer Seele koͤnnten Alles das thun, was Du nur in der Ein⸗ bildung vor Dir ſiehſt, und lebten gluͤcklich und in gutem Gewiſſen, waͤhrend Du Dich peinigſt um die bloße Moglich⸗ keit, die Dir nahe getreten!
Und muß ich's nicht? entgegnete leiſe die Graͤfin, wenn meine Seele empfindlicher iſt als Anderer, ſind nicht auch meine Pflichten feiner und ſtrenger als die Pflichten An⸗ derer?
An Deiner Uebung im Philoſophiren, Francisca, er⸗ kenn' ich, wie ſehr Du gelitten, wie ſehr Du gerungen. Arme Freundin! In falſchen Skrupeln wirſt Du vielleicht die Zeit Deiner ſchoͤnen Jugendkraft verlieren, und wirſt zu ſpaͤt zu der Einſicht kommen, daß es nur Skrupel geweſen, die Dich von der hoͤheren Ueberſicht uͤber die Fragen Gottes getrennt, die Dich getrennt von dem Gluͤcke, welches Dir Gott beſchieden, indem er Dich eben ſo reich begabte, wie er's gethan, eben ſo reich wie es noͤthig war, um einen ſin⸗ nigen Koͤnig zu feſſeln, um ihn zu begluͤcken, und mit ihm ein großes Reich, das ſchoͤne Frankreich!
Was iſt das, Florentin? Du redeſt einer ſuͤndigen Nei⸗ gung das Wort? Du verſuchſt mich! Deine Hand bebt in der meinigen.
Meine Hand bebt, weil ich im Zorn bin gegen die ſchwache Welt, welche ſo allgemeine Grundſaͤtze braucht, um ſich im Gleichgewicht zu erhalten, ſo allgemeine, daß ſte bei begabteren Menſchen hundertfach Luͤge werden und eine das Beſte zerſtoͤrende Entſagung werden muͤſſen. Denn dieſe allgemeinen Grundſaͤtze können nur fuͤr die Mittel⸗


