und entgegen kommend die Hand gereicht haͤtte? Seine maͤnnliche Schoͤnheit war um ſo vertraulicher, da ſie im Kleide prieſterlicher Wuͤrde, alſo ohne den verſchuͤchternden Anſpruch der Schoͤnheit erſchien, da ſie das Zutraun auf eine uneigennuͤtzige Freundſchaft des Milchbruders fuͤr ſich hatte, und— was mehr war als Alles!— da ſie aus dem ſichern Hafen einer wuͤrdigen Stellung heraus dem gepeitſch⸗ ten Lebensſchifflein der armen Frau Worte und Signale zu⸗ rufen konnte. Der ſogenannte Teufel lebt davon, daß er die Hilfe, welche man braucht, wirklich leiſtet, aber auch ver⸗ giftet.
Kurz, es gelang Florentin, die laſtende Melancholie von Francoiſens Stirn zu ſcheuchen, denn er wußte ihr in ſchmeichelnder Entwickelung darzuſtellen, daß ſie eben nur um reizender Vorzuͤge willen in ſo peinliche Situationen verſetzt worden ſei, und daß die Pein dieſer Situationen viel mehr in ihrem furchtſamen Sinne als in den Situationen ſelbſt liege.— Willſt Du den grauen Stein beneiden, fuhr er fort, um die ungeſtoͤrte Ruhe, welche er ſeiner Unſchein⸗ barkeit und Reizloſigkeit verdankt? Beſteht nicht Leben, wirkliches Leben bloß aus Furcht und Verlangen, und aus dem geſteigerten, ſich gegenſeitig im Gleichgewicht halten⸗ den Fuͤrchten und Verlangen?
Und doch, Florentin, riethſt Du mir ſelbſt, die Welt zu fliehn, weil ſie gefaͤhrlich—
Weil Du fur den Augenblick das Gleichgewicht Dei⸗ ner Seele verloren haſt! Waͤrſt Du ſonſt nach Foir ge⸗ kommen, wo Du bei einer liebloſen Mutter der trockenſten und ungenuͤgendſten Anſichten und Grundſeͤtze gewaͤrtig ſein
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