Kirchlein hinuͤber, welches in den Winkel des aufſteigen Berges gebaut und mit Ahorn⸗ und Platanen⸗Baͤun beſchattet, ja halb verdeckt war. Das Gebuͤſch ging uü dem Kirchlein weiter ſteil in die Hoͤhe, und ein Chriſti Bild ſah traurig aus dem Gezweige hernieder auf Kir lein, Raſenplatz und Schloß. Die Nordſeite des Schloſſ warf tiefen Schatten hierher, und wenn nicht einige Kind geſpielt haͤtten, ſo waͤre auf dieſer Seite die vollkomment Stille geweſen.
Herzogin Louiſe aber warf keinen Blick da hinau⸗ von Viertelſtunde zu Viertelſtunde rief ſie ihren Dien, und fragte, ob jenſeits der Loire von Romorantin her noc keine Reiter zu ſehen ſeien oben vom neuen Thurme. De Diener mußte es immer verneinen, und ſo kam der Abent herbei, und die Sonne ging unter, ohne daß ſich Reiter ge⸗ zeigt haͤtten.
Herzogin Louiſe war eine volle, ſtattliche Frau, welche noch einige Anſpruͤche auf Schoͤnheit hatte, und noch alle Anſpruͤche darauf machte, obwohl ſie ſchon uͤber vierzig Jahre alt und ein wenig ſtark geworden war. Scharfe For⸗ men des Geſichtes, ſchwarzes Haar, brennende Augen, raſcher Gang und raſche Bewegung der Arme gaben ihr etwas Herausforderndes und Herriſches, welches allerdings durch einen einſchmeichelnden Ausdruck des Mundes, der hinter vollen Lippen ſchoͤne Zaͤhne wies, gemildert wurde, ſobald ſie ſchmeicheln wollte.— Sie liebte den Luxus, und hatte noch bei Lebzeiten des verſtorbenen Koͤnigs Ludwig, eines buͤrgerlich beſcheidenen Mannes, und zu großem Miß⸗ vergnuͤgen der wirthſchaftlichen Koͤnigin Anna Sammet


