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und Seide getragen ohne feſtliche Veranlaſſung; wie denn aller aͤußere Schimmer und Glanz und der leichte vergnuͤg⸗ liche Sinn des franzoͤſiſchen Adels von italieniſchen Prin⸗ zeſſinnen beſonders geweckt und gefoͤrdert wurde, ſo daß erſt dieſe ſavoyardiſche Prinzefſin und ſpaͤter die beiden Medi⸗ caͤerinnen Catharina und Maria, die Gemahlinnen Hein⸗ richs des Zweiten und des Vierten, in dieſem Betrachte einen unberechenbaren Einfluß auf die franzoͤſiſche Nation geuͤbt haben. Man kann ſagen, daß vor dem jungen Frank⸗ reich, welches unter Koͤnig Franz aus italieniſchen Ein⸗ fluͤſſen ſich emporbildete, das fraͤnkiſch⸗germaniſche Element bei Weitem das vorherrſchende in Frankreich war, und daß erſt von der unter Franz allgemein, nicht bloß in einzelnen Kunſttheilen bewirkten Renaiſſance die franzoͤſiſche Nation eine vorherrſchend romaniſche wurde.
Louiſe war in ſchwarzen Sammt gekleidet und trug
die Schultern und Arme gegen altfranzoͤſiſche Sitte ent⸗ bloͤßt. Ihre vollen Leibesformen boten ſich dafuͤr ganz gefaͤllig, und als der wieder eintretende Diener melden mußte, die Dunkelheit geſtatte ihm nicht ferner auszu⸗ ſchauen vom Thurme, und Kerzen auf den Tiſch ſetzte, da machte die uͤbrigens ſchlimm ausſehende Frau bei dem röthlichen Kerzenlichte wohl noch den Eindruck, welchen das Tageslicht vermindern mochte, den Eindruck einer ge⸗ bieteriſchen Schoͤnheit.
„Rufe den Herrn Kanzler Duprat!“ ſprach ſte hierauf zum abgehenden Diener und ſetzte ſich haſtig auf einen jener hohen Stuͤhle mit ſteifer Lehne, wie ſie in neuerer Zeit wieder in Mode gekommen ſind, und blieb unbeweglich
Laube, Chateaubriant. I. 3


