„Das ſoll man auch. Ich mißbillige durchaus das dortige raffinirte Leben, ich mißbillige des neuen Regi⸗ mentes Richtung, das ganze Leben auf bloße Anmuth und Zierlichkeit zu ſtellen, malen und bauen zu laſſen, als ob dieſe Nebenſache der Mittelpunkt des Lebens ſein muͤſſe, an Trachten und Meublen verſchwenderiſch zu aͤndern, als ob es ſich um Puppen ſtatt um Edelleute handle, das Kuͤnſtlervolk in den Kreis der Edelſten des Landes zu ziehn, es mitreden zu laſſen, als waͤre es unter ſeines Gleichen, ja wohl gar die aufgeputzten Phraſen deſſelben dem ſchlichten Ausdrucke eines Seigneurs vorzuziehen!“
Verzeiht mir, Graf, erwiderte hierauf die Graͤfin, und die leichte Roͤthe ihres Antlitzes erhoͤhte ſich, verzeiht mir einen beſcheidenen Widerſpruch: Iſt es nicht eben Aufgabe des Koͤnigthums, das zu ſchuͤtzen und zu foͤrdern, was nicht auf den alltaͤglichen Erwerb angelegt iſt, was von dem alltaͤglichen Erwerbe nicht beſtehen könnte, und was doch durch ſeine Gedanken und Thaten den menſch⸗ lichen Sinn zu veredeln und zu erhoͤhen berufen iſt? So verhaͤlt es ſich ja wohl mit Kunſt und Kuͤnſtlern, und des⸗ halb ſollte ich glauben, es ſei dem Koͤnige angemeſſen—
„Sieh da, Frau Graͤfin, wie dieſe aufgebauſchten Redensarten Euch ſchon gelaͤufig ſind! Stammen ſie noch aus der ſtrengen Erziehung vom Schloſſe Foix, oder ſind ſie ganz friſch Gebaͤck? Der Kreis einer Ehefrau iſt ab⸗ geſchloſſen von der Mauer ihres Hauſes; der Gott uͤber den Wolken und Gatte und Kind auf Erden bilden ihre Welt! Was druͤber hinausgeht, iſt fuͤr ſie vom Uebel, und


