Teil eines Werkes 
1. Band (1846)
Entstehung
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man des Abends in der Halle zu Tiſche ſaß, wiederum nicht an herben Gegenreden, und Bonnivet entſchloß ſich, am nächſten Morgen weiter zu reiten, da das fortdauernd zuruͤckhaltende Benehmen der Graͤfin keine Ausſicht auf Eroberungen zuließ. Dergleichen Abſicht hegte er aber, ein verwoͤhnter Gluͤcksritter, jeder ſchoͤnen Dame gegen⸗ uͤber. Ein tieferer Blick in das Weſen dieſer jungen Frau ſchien ihm verſagt zu ſein, denn ein ſolcher haͤtte ihm vielleicht beſſere Hoffnungen eroͤffnet. Sie ſaß im weißen Gewande lange ſchweigſam zwiſchen den Maͤnnern, konnte aber wohl durch einzelne Antworten, durch plöͤtzlich erweckte und wieder verſchwindende Heiterkeit an jene Windharfen erinnern, die lange lautlos in verſtecktem Thale ſtehn, jedoch Ton und Antwort lieblichſter Art haben fuͤr jeden ſtaͤrkeren Lufthauch, der ſie auffindet. Der Kanzler Budé fand dies beſſer aus, und es gelang ihm auch um ſo mehr, ſie in's Geſpraͤch zu ziehn, je weniger der offenbar eiferſüchtige Graf ihn, den aͤlteren unſcheinbaren Mann, in der Unter⸗ haltung mit der Graͤfin ſtoͤrte. Er erzaͤhlte ihr von der Gedankenwelt in Paris, von den Streitigkeiten der Ge⸗ lehrten uͤber Kirche und Glauben, von den Nachrichten, welche man aus Deutſchland erhielt uͤber die von einem Moͤnche angeſtiftete Kirchenrevolution, von den italieni⸗ ſchen Künſtlern, welche der Koͤnig nach Frankreich berufen hatte, vom Koͤnige ſelbſt, von der geiſtreichen Schweſter, von der lebensluſtigen Mutter deſſelben, von den intereſſanten Geſpraͤchen an der Tafel des Koͤnigs, und ſie hoͤrte auf das Schwere wie auf das Leichte mit gleich großer Aufmerkſam⸗ keit; ſie ſchlug ein Kreuz, wenn ſie nach dem inneren Weſen