ebenfalls nicht begegnet, denn ſie hatte es mit vierzehn
Jahren verlaſſen, um Gattin des ihr noch unbekannten Grafen von Chateaubriant zu werden. Die Galanterie hatte alſo fuͤr ſie allen Reiz der Neuheit.
Nachdem die Geſellſchaft des Kanzlers wegen langſam eine Viertelſtunde abwaͤrts durch den Buchenwald geritten war, ſah ſie in einer rings von Wald umſchloſſenen und nur von niedrigen Huͤgeln unterbrochenen Ebene das Schloß Chateaubriant auf einer kleinen Anhoͤhe liegen. Die Abendſonne beleuchtete es eben vollen Glanzes, und hob die Kontraſte, welche es auszeichneten, grell hervor. Es beſtand naͤmlich aus einem alten und einem neuen Schloſſe, welche nur im oberen Stockwerke durch eine ſchmale Bruͤcke verbunden waren. Das alte Schloß, faſt nur aus einem weiten runden Thurme beſtehend, an den ſich unregelmaͤßig einige niedrige Gebaͤude klammerten, ſah vermooſt, verwittert und ſchwarz aus. Das neue dagegen, in halb antikem, halb romantiſchem Stile, eine Ehe, wel⸗ che damals die ſogenannte Renaiſſance hervorzubringen begann, vor Kurzem erbaut, ſchimmerte heiter in friſchem Geſteine. Plattes Dach, Arkaden, Gallerien und zier⸗ liche Thuͤrme gaben ihm ein lockendes Anſehn. Eine breite Wieſe, uͤber welche man weglos hinritt, zog ſich
ununterbrochen aufwaͤrts bis ans Portal des Gebaͤundes, und der Fluß Chere, welcher links aus dem Forſte hervorkam, wendete ſich hier dergeſtalt, daß er ſich hinter dem neuen Schloſſe hinab ſchlaͤngelte, und erſt zwiſchen ihm und dem alten Schloſſe unter jener Luftbruͤcke nach Nordweſt wieder hervorkam, um nun in voller Breite den Ankoͤmm⸗ 2*†


