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Waſſer hoͤrte an einer Stelle des Ufers auf, die undurch⸗ blickbar mit jungem Gebuͤſch verwachſen war, und ver⸗ wandelte ſich in ein Trampeln und Knicken und Knacken, als ob ein Reiterregiment im Anzuge ſei. Der juͤngtre Reiter zog ſein Schwert, eine freudige Spannung lag auf ſeinem Antlitze, er ſchien errathen zu haben, was ſich nahe — es war ein Trupp hochgeweihter Hirſche, welche den Abhang herauf gerade auf die Reiter zu trollten, alte, ſchwere Hirſche mit dunklen, ſtarkbemaͤhnten Haͤlſen und bemoosten Kronengeweihn. Er hielt das Schwert ihnen dergeſtalt entgegen, daß die Sonne darauf fiel, und ein Strahl aufblitzte mit uͤberraſchendem Schimmer. Die Hirſche ſtutzten, und betrachteten die regungslos harrenden Reiter. Hoi ho! rief auf einmal der juͤngere Reiter und ſchwenkte die blitzende Waffe, und als ob eine Windsbraut unter ſie gefahren waͤre, prallten die Hirſche auseinander, und jagten links und rechts an den Reitern voruͤber, ſie ſolcherweiſe einen Augenblick einhuͤllend wie in ein Schlachtgetümmel. Dieſem Schrecken widerſtand das Maulthier des Kanzlers nicht, es machte einen unver⸗ mutheten Seitenſprung, entledigte ſich damit des Reiters, der auf Moos und Wurzeln unſanft niederflog, und jagte von dannen. Der juͤngere Reiter aber wurde deſſen kaum inne, da der Laut von Hunden deutlich naͤher gekommen, neuer Laͤrm im Waſſer entſtanden, und ein maͤchtiger Kei⸗ ler aus dem See hervorgebrochen war in derſelben Rich⸗ tung, welche die Hirſche eingeſchlagen hatten, gerade auf den Kanzler los, welcher am Boden lag. Raſch war der Reiter von dem unruhigen Pferde herab und dem heran⸗


