Teil eines Werkes 
3. Band (1839)
Entstehung
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umfaſſenden Geiſt und ſeine anziehenden Eigenſchaften immer vollſtändiger entwickelte. Es iſt eine auf⸗ fallende, aber wohlgegründete Bemerkung, daß Per⸗ ſonen Jahre lang mit einander bekannt, ja ſelbſt vertraut ſeyn können und gleichwohl ihre gegen⸗ ſeitigen Charaktere nicht ganz kennen lernen, wäh⸗ rend ein kurzer brieflicher Verkehr in die wirklichen Kräfte und Gefühle des Individuums blicken läßt.

Der Chevalier wurde ſchon als ein guter Redner geſchildert, aber er ſchrieb in der That noch beſſer. Obgleich die ſtumme Beredtſamkeit der Briefe ohne jenen Zauber von Blick und Geberde war, der ſeiner Rede ſo weſentlich zu Hülfe kam, indem ſie den ein⸗ fachſten Sätzen Kraft und Ausdruck gaben, ſo be⸗ ſaßen gleichwohl ſeine Briefe an und für ſich einen eigenthümlichen Reiz. Mit einem gewiſſen Grade von Aufrichtigkeit, die ſich leider nicht weiter er⸗ ſtreckte, hatte Florville in der Nacht vor ihrer Tren⸗ nung das Geheimniß ſeines Namens ihm enthüllt. Die Wirkung, welche dieſe Entdeckung auf Roſen⸗ thal äußerte, war eine ziemlich günſtige; denn ſie gab den unbeſtimmten Entwürfen ſeiner geheimniß⸗ vollen Sendung einen ſtärkeren Reiz und der be⸗ geiſterten Sprache, welche bereits eine Art unwill⸗ kürlicher Bewunderung und Liebe gewonnen hatte, eine höhere Färbung. Dieſe Gefühle wurden um