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fühlte, daß ſeit ihrer Heirath noch nie ſolche Trauer ihr Herz erfüllt hatte.
Mitten in dieſem ſtrahlenden Kreiſe, in welchem die Schönheit ſelbſt durch die Zahl ihrer Bewerber verdunkelt ſchien, bemerkte ſie mit beſonderem In⸗ tereſſe eine liebliche Geſtalt. Wieder und wieder glitt die ſchöne Erſcheinung vorüber. Sie verſchwand im Gedränge, um mit neuem Glanze zurückzukehren, gleich einem Meteor, Alles umher erleuchtend. Ella zitterte, als ſie die Gattin Roſenthals erkannte. Man konnte ſich in dieſen Zügen nicht täuſchen. Ihr Herz ſchlug höher, als dieſelbe Geſtalt wieder aus den Reihen trat. Die Züge, beſonders das Lächeln, waren dieſelben, die ſie früher ſchon geſehen. Sie blickte nach dem Tänzer der jungen Gräfin und ſah Leopold. Eine kurze Pauſe trat ein, die Muſik hörte auf, die Tänzer wechſelten ihre Plätze oder wan⸗ derten durch die geräumigen Säle; gleich dem mannig⸗ faltigen Farbenſpiele des Kaleidoskops löste ſich jede Gruppe für einen Augenblick auf, ihre Glieder zer⸗ ſtreuten ſich, um ein neues eben ſo glänzendes und eben ſo vorübergehendes Gemälde zu bilden.
Mit einer Art athemloſer Aufmerkſamkeit be⸗ mühte ſich Ella, den Bewegungen ihres Bruders und ſeiner lieblichen Tänzerin zu folgen. Jeder Ge⸗ danke, jedes Gefühl ſchien ſtille zu ſtehen; ihr ganzes


