Teil eines Werkes 
2. Band (1839)
Entstehung
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Kummer hatte ihrer Stirne einen Ausdruck des Nach⸗ denkens eingeprägt, der ihren Jahren zuvor eilte; aber außer jenem ſinnenden Schatten, welcher mehr die Gewohnheit nachzudenken, als das Vorhanden⸗ ſeyn eines Schmerzes anzeigte, konnte Niemand den tief liegenden Stachel der Täuſchung entdecken, der noch in der Bruſt des herrlichen Geſchöpfes wühlte, welchem der Weihrauch der Schmeichelei ſo reichlich dargebracht wurde.

Jede Einladung zum Tanze ablehnend, beſchäf⸗ tigte ſie ſich damit, das geſchäftige Treiben, das ſich in ſteter Unruhe umher bewegte, zu beobachten. Ein Ballzimmer iſt ein ergiebiger Gegenſtand für die Philoſophie. Iſt es nicht auffallend, daß unſere gerühmte Vernunft, die in einſamen Betrachtungen ihre Befriedigung oder eine Zuflucht findet, die ihren Scharfſinn anwendet, um die Wiederkehr eines Ko⸗ meten zu erforſchen, oder die geheimen Kräfte einer Fliege oder eines Wurmes unterſucht, daß dieſe Vernunft in einem menſchenerfüllten Ballzimmer be⸗ obachtend und forſchend umherblicken kann?

Während die Prinzeſſin umherblickte und zugleich der Muſik zuhörte, ſtrömten tauſend bekannte Me⸗ lodien vom Orcheſter her ihrem Ohre zu, und in dieſen zitternden Tönen lag etwas Schwermüthiges, etwas, das mehr war als bloße Erinnerung. Sie