ließen keine Zeit übrig, um in müßigen Stunden dem Kummer nachzuhängen. Ihr ſanſtes Weſen ſchien unbewußt mit den zahlreichen, beinahe unmerk⸗ lichen Faſern zu verwachſen, durch welche das weib⸗ liche Herz an jene häuslichen Gegenſtände unwandel⸗ bar geknüpft wird, von denen es umgeben iſt:— wodurch das Unbedeutende Wichtigkeit erhält, die Kräfte des Geiſtes in Thätigkeit geſetzt und zur Nützlichkeit und Tugend hingeleitet werden.
Die Gleichmuth Lindenbergs entſprang aus einer höheren Quelle. Beſchäftigung konnte bei ihm die Folge, aber nicht die Urſache ſeiner Ruhe ſeyn; auch floß ſie nicht aus einer kalten Gleichgültigkeit gegen das Unrecht, das er erduldet, ſondern viel⸗ mehr aus einer klaren Würdigung der Macht, die er verloren hatte. Er ſügte ſich ruhig in die Ent⸗ behrung der Vorrechte und Güter, auf die er keinen ungebührlichen oder eingebildeten Werth legte. Er hatte die Gaben des Glücks und die ſchimmernden Ehrenzeichen, die ſich ihm einſt ſo reichlich dargeboten hatten, niemals mißbraucht; da er ſie im Geiſte der Mäßigung genoſſen hatte, konnte er ſie mit Würde hingeben. Da er zudem den quälenden Sorgen und dem unaufhörlichen Zwange einer amtlichen Stel⸗ lung bei der Regierung lange unterworfen geweſen war, fühlte der Baron jetzt, da er dieſe losgeworden,


