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Freunde. Dieſe Gleichgültigkeit gegen die Schmerzen jugendlicher Neigung entſpringt oft aus einer weit beſſeren Quelle, als jene Härte des Gemüths, deren man die Leute mittleren Alters ſo gewöhnlich an⸗ klagt. An die Täuſchungen der Welt bereits ge— wöhnt, blicken ſie auf jene Prüſungen, von denen ſie durch Zeit und Umſtände befreit worden ſind, mit ruhiger, zufriedener Lebensklugheit zurück; da ſie die Stürme früher Leidenſchaften glücklich über⸗ ſtanden haben, erwarten ſie bei dem nachwachſenden Geſchlechte eine Reihe ähnlicher Kämpfe, begleitet von eben ſo günſtigem Erfolge.
Bei dem Baron von Lindenberg und ſeiner Gattin waren indeß die Beweggründe ganz andere. Ihr Eheſtand war von ungemiſchtem Glücke begleitet geweſen; keine ermüdenden Hinderniſſe hatten den reinen Strom ihrer Liebe aufgehalten; die Bitterkeit des Zweifels und der Täuſchung hatte nie auch nur einen Augenblick in den überfließenden Kelch des Ver⸗ trauens und der Liebe ſeine Galle gemiſcht. So ſehr ſie daher die geiſtige Qual, die Ella erduldete, beklag⸗ ten, waren ſie doch unfähig, Gefühle zu würdigen, mit denen ſie ſtets unbekannt geblieben waren; ſie konnten den Abgrund des Elendes nicht ermeſſen, der ſich über den Hoffnungen ihres Kindes zu ſchließen drohte.


