meine väterliche Klugheit mir einflößt, den Neigungen ihres Herzens niemals opfern. Indeß das Einzige, was ich verlange, iſt, daß ſie ihren Briefwechſel mit Albert nicht eher wieder aufnehme, bis irgend eine Andeutung von ihm oder Graf Roſenthal uns in Stand ſetzt zu beurtheilen, ob eine Fortſetzung deſ⸗ ſelben von ihnen ebenſo wie von uns gewünſcht wird. Theures Mädchen,“ fuhr er mit milderem Tone fort,„Du kannſt die Tiefen ehrgeizig kalter Be⸗ rechnung nicht ergründen. Aber ich kenne die Schwäche Roſenthals und den Umfang der Gewalt, die ſeine Gattin über ihn behauptet. Meine Beſorgniſſe,— denn ich bekenne, Beſorgniſſe zu haben— ſind die Folge langer Beobachtung. Wollte Gott, ſie wären grundlos!“
Die ſchöne Tochter des Barons lauſchte in ehr⸗ erbietiger Beſcheidenheit und machte keinen Einwurf gegen einen Entſchluß, der für ihre Vernunft be⸗ friedigend war, aber in ſeinen Folgen für ihre in⸗ nige Liebe leicht ſchmerzlich werden konnte. Sie ſchloß ſich näher an ihren Vater, während er ſprach, ſchlang allmählig ihren Arm um ſeinen Hals und drückte ſeine Wange an die ihrige, während ihre ſeidenen Locken mit ſeinen grauen Haaren ſich vermiſchten und eine heiße Thräne auf ſeine bleiche Stirne fiel. „Ich verſpreche,“ ſprach ſie nach einer kurzen


