Teil eines Werkes 
1. Band (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

verſcheuchen, mochten ſie die begrabenen Hoffnungen der Vergangenheit heraufbeſchwören, oder die namen⸗ loſen Schatten der Zukunft verkörpern. Mit Einem Worte, der Schlaf brachte nicht den Troſt der Ver⸗ geſſenbeit, und er ſchloß nur ſeine ſchmerzenden Augen, um all die Seelenangſt zu erdulden, die durch eine verzerrte Wiederholung der Gefühle, die ihn wa⸗ chend beſchäftigt hatten, bewirkt wurden.

Die Nacht war bereits weit vorgerückt, als eine hohe Geſtalt in einem fliegenden Gewande in das Zimmer trat, in welchem Seine Hoheit ſchlief. Mit geräuſchloſem Tritt näherte ſie ſich dem bewußtlo⸗ ſen Jüngling, beugte ſich vorſichtig über das Lager hin und prüfte ängſtlich ſeine Züge. Die ſcharffor⸗ ſchende Phyſiognomie des Eingetretenen hatte einen Ausdruck von Melancholie, ja ſelbſt von Zärtlichkeit, der gegen ſein dünnes ſpitziges Geſicht, gegen ſei⸗ nen forſchenden Blick auffallend abſtach.

Der nächtliche Beſucher war Vater Klemens.

Einige Augenblicke ſtand er in ſchweigende Be⸗ trachtung des Schläfers vertieft, um deſſen volle, aber geſpaltene Lippen ein mattes Lächeln ſpielte. Die blauen Adern an ſeinem durchſichtigen, völlig unbedeckten Halſe konnten deutlich bemerkt werden; denn die diamantenen Knöpfe, die den geſtickten Kragen ſeiner Nachtkleidnng ſchloſſen, hatten ſich