Teil eines Werkes 
1. Band (1839)
Entstehung
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unberührt bei der Begegnung von zufälligen und vorübergehenden Vorzügen. Mochte inzwiſchen der Baron hie und da den leichtern Eindrücken der Sinne und einer lebhaften Empfindung für das Schöne nachgegeben haben, ſo hatte er doch nie die Erfahrung einer dauernden oder verzehrenden Leidenſchaft an ſich gemacht, die in einem Gegen⸗ ſtand lebt, und mit deſſen Verluſte Alles verliert.

Der mächtige Reiz perſönlicher Lieblichkeit war an ſich nicht zureichend, um einen Mann wie Linden⸗ berg zu feſſeln; ſogar der Genius blendete ihn nicht, hohe Bildung konnte ihn nicht reizen, und die Ueber⸗ legenheit intellektueller Vorzüge konnte ſein ruhiges Urtheil nicht beſtechen. Er hatte allen ihren Reizen, mochten ſie noch ſo ſehr durch Geburt, durch Rang, durch Reichthum verſtärkt ſeyn, widerſtanden; er wich ihrer Zaubermacht nicht; ihr Schimmer be⸗ rührte ſein Herz, wie der Mondſtrahl, glänzend, aber kalt.

Bei den meiſten Menſchen erhebt die Liebe die Seele, und ſteigert die ſittliche Stimmung zu einer glühenden Stärke: es iſt ein Aufruhr der Leidenſchaften; jedes verborgene Gefühl, jede ſchlummernde Kraft wird zur Thätigkeit erweckt, und dieſe ſchlafenden Fähigkeiten, die ohne jene prometheiſche Berührung verborgen und ungeahnt im ſtarren Buſen zurückgeblieben wären,