— 38— Mutter fort—„denn wen ſie liebt, muß auch mit ihr ihre Liebe zu ihrem Retter theilen.“ „Nun, und wer iſt er denn? Er iſt hier?“ 1„Ein guter, junger Mann, dem wir in der That Verbindlichkeit haben.“ „O liebe Mutter!“ ſagte Olympie zartlich. „Nun gut denn, wenn Ihr alſo wollt, ein edler, ein ſtolz edler junger Mann, ein Engel ſogar!“ Sie ſchüttelte wieder den Kopf, und die Thür ging auf. Iſabelle, an der Hand eines jungen Man⸗ nes, trat ins Zimmer.
Faſt baͤtte ich, ſo überraſcht war ich, überlaus gerufen: ja wahrhaftig ein Engel! denn, Agnes, nicht leicht haſt du einen ſchönern Kopf auf einer ſchönern Geſtalt geſehen.
Er war es, Agnes, es war ja mein Sohn, dem meine ganze Seele mit Liebe entgegen flog.
Es waren die Züge ſeines Vaters, die mein Herz auf ſich zogen, ohne daß ich ſie erkannte. Auf dem ſchönen Geſicht lag ein ſanfter Zug von Trauer, aber ſo leiſe, ſo ſchön, daß er faſt wie eine Ver⸗
klarung des Geſichts war, nichts Dunkles, womit man die Trauer ſonſt vergleicht.
Fſobelle, mit einem triumphirenden Ge⸗ ſichte, führte ihn auf mich zu, und ſagte:„ich mußte Ihnen die Frau von Sonne nberg zei⸗
gen, die uns Alle, und vor Allen Olympien
am meiſten liebt.—„Das iſt er, liebe Frau von
1


