— 30— konnte; denn der Gedanke: mein Sohn meines Mannes Sohn lebt, verſchlaag alle andere Ge⸗ danken: ſo ſah ich doch wohl, daß ich große Urſach hatte, behuthſam zu ſeyn.
Die Güter des Grafen, meines erſten Man⸗ nes, ſind auf ſeinen Bruder gefallen; und da der unverheirathet und kraͤnklich iſt: ſo iſt ſeine Erbinn
. 9.„.. — jenes Ungeheuer, die Frau von Boiſen, wenn
du dich ihrer erinnerſt, die, wie man ſagt, ihre Schwiegermutter hat faſt verhungern laſſen.
Ihr Mann iſt ja der Alexander Boiſen— O Agnes, ich ſah, wie ich an dieſes Paar dach⸗
ee, die Welt gegen mich aufſtehen! O wie könnt.
ich je ſagen:„Hier iſt ein Graf Sonders, mein Sohn, und der rechtmäßige Erbe aller Guͤter!“ Wie dürft' ich! Und wagte die Mutterliebe dieſen Streit mit der Familie, wollte ich auch meine Ru⸗
he an das Glück meines Sohnes ſetzen, und es iſt
ja die Frage, ob ich nicht wüßte: ſo— die Ein⸗ willigung des Grafen hat unſre Ehe nie erhalten, obgleich meine Mutter ein Mahl ſagte:„Wäre er am Leben geblieben, ihr hättet ſie erhalten.“ O wäre das alles auch nicht: bin ich denn nicht reich genug? O meine theure Agnes! aber iſt denn nicht mein zweyter Sohn längſt mein erklarter Er⸗ be? Müßte er auch nur theilen mit ſeinem Bruder, und er müßte mehr, mehr als das; denn er iſt der
zweyte, und du kennſt ja die Geſetze über die Erſt⸗ 3 geburt in unſerm Hauſe: ſieh, ſo ſtoht eine zwey⸗


