— 115—
die Inſeln mit dem ſchönen Grün bewachſen. Die ganze Natur war noch wie vor vierundzwanzig Jahren. Aber da ſie auf die Pfarre traten, ſiel ein wilder Hund ſie an, des Patriarchen Hund war das Zei⸗ chen der Gaſtfreundſchaft. Eine hagre Frau empfing ſie finſter, und lächelte höhniſch über die Senti⸗ mentalität der beyden Leute.
Sie blieben nur einen Augenblick in den Zim⸗
mern, aus denen die Liebe und die Weisheit entwi⸗
chen waren.
Dann gingen ſie auf den Kirchhof, und ſetzten ſich auf das Grab des Patriarchen. Eberhard ine pfluckte vom Grabe eine Sternblume, und pflanzte ſie vor ihren Buſen. Dann zog ſie einen Augenblick
die weiße Locke, die ſie von dem Haupte ihres— Ohe ims geſchnitten, hervor, und benetzte ſie mit
Thränen.
Sie gingen dann das erſte Mahl ſtumm und trauernd neben einander her, noch eben ſo glücklich als vor vierundzwanzig Jahren, da ſie als Braut ihren jungen Mann begleitete..
„Ach, wie gern, wie gern bliebe ich hier,“
ſagte Eberhardine—„wo jeder Baum mein Jugendbekannter iſt; auf dieſe Gegend mahlen ſich alle meine frohen Traͤume! keine Muſik iſt mir ſo ſchön als das bekannte Rauſchen dieſer Meereswo⸗ gen! Wie gern bliebe ich hier, und müßte ich mein Hierbleiben auch mit den alten Sorgen erkaufen: o wie ſchön war's, liebſter Braune, da ich dich
8
*
—


