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„Hätten ſie mir den kalten Leichnam entgegen getragen, ich haͤtte geſagt: hat der Himmel dem
Leben deine Tugenden beneidet? Ich hätte mich tröſten können; das Troſtloſe im Leben iſt, daß eine Tugend untergehen kann, nicht, daß das Le⸗ ben ſterblich iſt!"
„Sieh, o ſieh, da trete ich in meine Vater⸗ ſtadt. Die Wellen der alten Freuden ſchlugen über mich zuſammen. Ich ſtreckte ſchon die Hand nach ihr aus; den Blick, den Freudenthränen benetzen, das ganze Herz, die ganze Seele; ich ſtürze in das Haus, das geliebte Zimmer. Meine Mutter wen⸗
det das bſeiche Geſicht von mir ab. Ein Seufzer
empfangt mich, ein Unheil weisſagender Seufzer.!
„Was iſt?— frage ich ſtockend, ahnend.
„Ein Seufzer iſt die Antwort.“
„Todt? 9
„O dann wäͤre ich glücklich!”“
„Aber gut, daß du kommſt, mein Sohn!"— rief meine Mutter, meine ſanfte Mutter im Zorree der Tugend— nauf dich habe ich gewartet. Das Leben iſt nichts mehr. Es hat ſeinen Preis verlo⸗ ren. Eine Schlange umwand das Herz deiner Schwe⸗ ſter im Traume, und hauchte alles Gift geheimer Verführung in den Buſen der Keuſchheit, goß die Flammen wilder Luſt ſchmeichelnd in zhre Adern.
Sie entfloh mit dem Verführer. Geh, ſuche ſie auf! Bring die Unglückliche zurück; aber ihm, dem Ver⸗ fähret⸗— dem derdammten Verführer ihrer Tugend, 3
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