Teil eines Werkes 
2. Band (1816)
Entstehung
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Olympie war ſchöͤn; aber ihre Schönheit war nichts gegen den Reitz ihrer Geſtalt und ihrer Bewegungen, und dieſer Reitz wurde wieder ein Nebemwerk auf dem Gemählde, das man nicht ſah, wenn ſie die Lippen zum Reden öffnete, wenn ſie redete, wenn ihr Herz, das jetzt Theil nahm am

Geſpräche, oder an irgend einem Menſchen, be⸗

wegt wurde und in den Augen ſtrahlte; wenn die geiſtige Schönheit ihres Innern, wie eine Verklaͤ⸗

rung, ſich über Geſicht und Geſtalt verbreitete, und doocch nichts war, als die ſelige Ruhe der Unſchuld. Ich beſchloß, ſie zu mahlen, und gewiß, gewiß, lieber Bürger, es wird das ſchönſte Bild meines

Lebens ſeyn!

Aber ſitzen darf ſie mir nicht; denn redet ſie mit mir, oder mit ihrem Vater, oder mit einem Manne: ſo würde ſie das Ideal für den Bildhauer ſeyn, der die Unſchuld oder die Schönheit bilden wollte. Nein, man muß ſie ſehen, wenn ſie mit ihrer Mutter im tiefen Geſprache iſt, oder noch mehr mit Iſabellen, die allein durch ihre mu⸗ thige Fröhlichkeit eine höhere Freyheit in dieſem Hauſe ſich erhalten hat; die mit lachender Luſt ihre Schweſter neckt, deren unendliche Liebe gegen die Mutter oft den Ton eines kindiſchen, graͤnzenloſen Vertrauens annimmt, und ſogar dem Vater ſich mit, freyer Luſt naͤhert. Mit der redend, muß ich Blympiens Zuge ſtehlen, und ich weiß, ich

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