Teil eines Werkes 
1. Band (1816)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 97—

Pfarre an der See nicht zu verlaſſen.„Hier Aaß uns wohnen, liebſter Mann, und ſo glücklich ſeyn, als unſre Aeltern geweſen ſind!⸗

„Darauf rechnete ich, Kinder!“ rief Boiſen voll Freude—„und glücklich werdet ihr ſeyn! Mein Alter hat mich zu einem Propheten gemacht.“!

Nun gingen ſie zu der Frau von Boiſen.

Eberhardine geſtand Boiſen, daß ſie ſich vor dieſem Beſuche füͤrchtete. Aber da ſie in das Zimmer trat, und die Großmutter, die ſehr einfach gekleidet war, ihre Enkelinn ſogleich erkann⸗ te, ſtatt ihr mit offnen Armen entgegen zu gehen, erblaßte, die Haͤnde gen Himmel hob, und mit rührenden Tönen ſagte: O Geiſt meines Sohnes, ſteig auf deiner Tochter Herz herab, daß ſie gütig iſt!“ ſo war auf einmahl Eb erhardinens Furcht verſchwunden. Eine ſüße Wehmuth zog in ihr

Herz. Sie warf ſich zu den Füßen ihrer Groß⸗ mutter, küßte ihre Hande, und rief:„O geben Sie Ihrer Enkelinn Ihren Segen!“

„Segen? o Kind! liebes Kind, o Tochter meines verſtoßenen Sohns, meine Lippen haben keinen Segen! Meine Haͤnde darf ich auf kein Haupt ſegnend legen; ich darf ſie nur falten zum Gebeth. O meines Sohnes Tochter, mein Kind, meine Enkelinn!“

„˙0 Mutter, nehmen Sie Ihre Enkelinn an den mütterlichen Buſen, aus dem mein Vater Le⸗ ben trank, o nehmen Sie—.“