— 18912—
und ſie muͤſſe dem Ringe folgen? Aber ach, die⸗ ſer Wahnſinn war ja nur der Schmerz ihres Herzens! 4
Man hrachte ſie aus dem Zimmer weg, aus deſſen Fenſter ſie auf ſein Grab ſehen konnte. Man freute ſich, daß es gelang. Aus dem an⸗ dern Fenſter ſah ſie einen Baum, den er gepflanzt, die Morgenröthe, die er liebte, die Natur, die ſein war. Jeder Stern, der aufging und unter, redete mit ihr, und erinnerte ſie an ihren Ring. O der Schmerz iſt zu heilen, der Zeichen haben muß zu Thränen; aber wer heilt den, der in des
„Herzens Tiefen ſtill und unbeweglich ruht, und die ganze Natur verdunkelt, nur das Grab nicht, das über dem geliebten Herzen ſteht!
„Ach, es thut mir weh, Mutter,“ ſagte die Trauernde—„daß ich noch einmahl Euch betrü⸗ ben muß! Kann ich denn dafür, daß ich ſterb⸗ lich bin?“
So ſehnte ſie ſich einige Monathe hin, mit kalten, bleichen Wangen, mit zum Boden gerichte⸗ ten Blicken. Sie lobte ja alles, den Winter, den kommenden Frühling, die erſte Lerche, die milde Luft, die ihrem Leben, ſo meinte die Mutten⸗ die Geſundheit zurückgeben ſollte.
Sie war milder als die milde Luft, freund⸗ licher als der Fruͤhling; denn er hatte ihn ja ſo geliebt.
Gie trug Boiſen auf, fur ihre Kachier i zu


