Teil eines Werkes 
1. Band (1816)
Entstehung
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Sie gaben ſich die Haͤnde, und ihre Geiſter ſtanden vor Gott.

In dem Augenblicke trat die Mutter in das Zimmer, mit verweinten Augen und mit blaßen Wangen.

»Da iſt unſer Nachbar, ſ ſagte ſie—„Pater, ich 5

will mein Mutterherz wohl gegen ihn vertheidigen.« »Mutter,« ſagte ihr Mann weich—»ich ha⸗ be mit dem Nachbar eben von meiner Sterbeſtunde

geredet. Er ſoll mit mir bethen, und du ſollſt mich lieben, bis mir deine Hand das Auge zudrückt.

Komm an mein Herz, Mutter, ich habe dich im⸗ mer treu geliebt.«

Hus haſt du, und jett willſt du noch von mir abfallen?« Er legte ihr die Hand ſanft auf die Lippen, und dann den Mund.

Dann trat Dine hinein: ein ſchönes Roſen⸗ roth, das nach und nach zu dunkelm Purpur ſich umfaͤrbte, bedeckte Stirn und Wangen, da ſie den Nachbar ſah; denn er wußte nun ja, daß ſie wie⸗ der frey war. Aber der Nachbar war ſo fremd wie

vorher, noch fremder. Auch ging er bald. Der Vater begleitete ihn mit allen Zeichen einer war⸗ men, faſt mehr als väterlichen Liebe.

Dinens Herz ſchlug darüber vor Entzücke n, obgleich der Nachbar ſo fremd that, als ſähe ſie

ihn heute zuerſt. Aber der Alte hatte das Roſenroth und den Purpur auf Dinens Wange wohl geſe⸗ hen. Sie kam ihm entgegen, da er urückeam.

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