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der Pfarreinkünfte des Landes ganz heimlich die Einkünfte von Holm ſtudirt hatte, als ſollte ſie ſelbſt dort Pfarrer werden, berechnete ſie auch die Ausgabe für eine Familie, und fand, daß ihr Oheim und der Stiftsherr ſich irrten, oder nicht wiſſen müßten, wie wohlfeil ein Gericht in Liebe, und wie reich eine Frau mit einem Herzen voll Liebe ſey. Und obgleich ſie ſich ſelbſt ganz mit aus der Rechnung ließ, ſo ſchlug doch ihr Herz ſehr, da der Tag kam, an dem der Nachbar verſprochen hatte, ſie zu beſuchen. Sie konnte das ſchöne Au⸗
ge nicht frey gegen ihn erheben, und noch weniger,
da ſie auf ſeinem Geſichte den rührenden Zug eines
geheimen Kummers bemerkte, der Thraͤnen in ihre
Augen, und aus ihrer Bruſt ſchwere, mitleidige
Seufzer trieb. Aber es wurde ihr wohl dabey;
denn ſie konnte ja nun das Pochen ihres Herzens Mitleiden mit dem Kummer des edlen Mannes nen⸗ nen. In der heiligen Zeit der Jugend und der rei⸗ nen Unſchuld verbirgt das Herz die Liebe nicht nur Andern, ſondern ſich ſelbſt am erſten. Aber die Opfer des Mitleidens wurden deſto ſchöner. Sie verſagte ſich die unſchuldigſten Freuden ſogar, den lauten, frohen Geſang im Garten, die heitern Spiele und das Lachen mit den Kindern. Aber dieſe zarten Fäden der geheimen Empfin⸗ dungen werden zu unzerreißlichen Ketten der Liebe. Braune hielt Wort: er verbarg ihr ſeine Debe, und liebte ſie deſto mehr. Sie hatte ihm 3 B 2


