Teil eines Werkes 
1. Band (1816)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

CEͤͤͤͤ

4

preiſen koönnte; aber der Garten war nicht im

Stande, ſein Pfarrfeld ausgeſogen, und trotz ſei⸗ nes Muthes, der in einer mannlichen Bruſt wohn⸗

te, ſtieß er Seufzer aus.

Er hielt ſeine Antrittspredigt; mit einem be⸗ klemmten Herzen ging er die Kanzeltreppe hinauf; aber da er einen Blick auf die Gemeine geworfen

hatte, füllte ſich ſein Herz mit warmem Muth ge⸗

gen das Unglück und mit heißer Liebe gegen die Menſchen, die vor ihm ſaßen. Aber ſeine eigenen Thränen machten kein Auge naß. Die Leute ver⸗ ließen die Kirche, ohne ihn zu grüßen, und er ſchlich betrübt in ſeine öde Wohnung.

Am Abend ging er hinad durch die Geeſt auf den Deich, das Meer und die untergehende Son⸗ ne zu ſehen. Das Gebrüll der reichen Herden in der Marſch erheiterte ihn; der Anblick des unendli⸗

chen Meeres, das rauſchend die langen Wellen ans

Ufer warf, erhob ſeine Seele; die untergehende

Sonne erquickte ihn.

Da ſaß er, wo ein Vorſprung des Deichs hin⸗

aus an das Ufer reichte. Da ſaß er nachdenkend

uͤber ſeine arme Lage. Auf einmahl ſchlug vor ihm eine Flamme auf den Watten oder jenſeits der Watten durch die dunkle Nacht auf. Eben ſchlug es auf ſeinem Kirchthurme Mitternacht. Höher ſtieg die Flamme. Er glaubte von den Wellen aus

ein Geſchrey zu hören, das ihm durch die Serke drang.

8