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ling ſang:„Tyrann, herab von deinem Thron!“ der hat heute in Hohenheim dem Herzog die Augen zugedrückt.
Die andern ſprangen auf.
Herzog Karl iſt nicht mehr, ſagte Heinrich. Er hat einen ſchweren Todeskampf gehabt. Seine letzten Worte waren:„Pfar⸗ rer, Sterben iſt kein Kinderſpiel.“
Friede ſei mit ihm! ſagte der Dichter.
Die Geſellſchaft war tief ergriffen; einigen ſtanden Thränen in den Augen.
Das Licht auf dem kleinen Tiſche, wo Kant's Kritik und einige Scenen des Wallenſtein lagen, war ſchon tief herabge⸗ brannt, und noch immer ſaßen die beiden Freunde in lebendigem Geſpräch beiſammen. Der Dichter erwartete von einer ſpät ge⸗ fundenen geliebten Gattin die Geburt ſeines erſten Kindes, und dieß hatte ihre Reden auf die Zukunft gelenkt; der geiſtige Haupt⸗ erbe aber, der erſt in ſeinem Entſtehen war und noch viele Ge⸗ burtsſchmerzen koſten ſollte, führte ſie wieder auf die Gegenwart zurück.
Was iſt unſre Poeſie? rief der Dichter aus. Ich habe mich von dem Schaume eines jugendlich gährenden Talents befreit, und nun da ich mir bleibende Geſetze geben will, ſeh' ich daß wir gar keinen Boden haben. Was iſt unſer deutſches Leben? Wir ſind weder einer Tragödie noch einer Komödie fähig, die ſich auf den Boden der Gegenwart gründen ließe; wir kommen nicht über die Familiengeſchichten hinaus. Darum iſt der Inhalt unſrer Poeſie ſchwankend und zweifelhaft, und die Form die wir entleh⸗ nen müſſen iſt eine fremde. Ich bin zu den Griechen zurückge⸗ kehrt, die ich früher theils nicht gekannt theils nicht verſtanden habe. Die hatten ihr Leben! es überläuft mich wenn ich die Geſchichte des peloponneſiſchen Krieges leſe. Wohl gibt es ein höheres Intereſſe als das vaterländiſche, das Intereſſe der Menſch⸗


