384
das andre wird nachfolgen.“— Der Magiſter hatte ſich an ſeinem Pult noch nicht ganz zurechtgeſetzt als bereits ein zweiter Trabant hereinkam und ihm einen Predigttext vom Herzog brachte. Zur Vorbereitung war ihm keine Zeit vergönnt, denn ſchon wurde das geſamte Stift zuſammenberufen, und der Herzog kam, ſeine Franzel am Arm und ſein ganzes Gefolge hinter ſich, in den Kloſterhof hereingeſtiegen. Der Magiſter eilte auf die Kanzel in der alten Kloſterkapelle und predigte was das Zeug hielt. Das war ihm gerathen! Denn als er fertig war und abgehen wollte, verließ der Herzog unten ſeinen Stuhl, tkat ihm entgegen und empfing ihn in ſeinen Armen.„Mein lieber Magiſter,“ rief er, es iſt alles verziehen!“ Er zog ihn ſogleich zur Tafel und ſagte ihm am Schluß derſelben:„Ich erfahre ſo eben daß eine von den beſten Pfarren aufgegangen iſt. Er kann ſich drum melden.“ Nun war es wohl billig daß ihm der junge Pfarrer, dem ſo un⸗ erwartet ein fetter Dienſt in die Hände gefallen war, auch ſeinen Thron dagegen ferner nicht mißgönnte. Der Hof reiste von Tü⸗ bingen ab, und der Magiſter laborirte an der aufgetragenen Bitt⸗ ſchrift, als auf einmal etwas noch Unerwarteteres erſchien, näm⸗ lich ein Reſcript des Conſiſtoriums. Darin ſtand geſchrieben, man habe das Anerbieten Sereniſſimi in Erfahrung gebracht, und gebe Magiſtro wohl zu bedenken ob er dieſen verfaſſungswidrigen Weg zu ſeinem Fortkommen einſchlagen und die Gnade von zwei Au⸗ gen der Gnade von— ich weiß nicht wie vielen vorziehen wolle. Der junge Magiſter ſchlug in ſich und hörete auf die Stimme Samuelis. Da er es nun unterlaſſen hatte ſich um den Dienſt zu melden, ſo wurde er zum Herzog berufen, der eben damals in Stuttgart war. Der Herzog fragte ihn warum er nicht einge⸗ kommen ſei. Der Magiſter ſagte er habe ſich zu jung und uner⸗ fahren gefühlt, und was dergleichen Ausreden mehr waren.„Ach was!“ rief der Herzog und klopfte ihn auf die Schulter:„meint Er, ich hätte meine gelben Vögel hier nicht auch feifen hören?“


