Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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Genoſſen, daß es auf der Stelle abgeſchrieben oder gar auswendig gelernt wurde, das verſteht ſich ohnehin von ſelbſt.

Die beiden Freunde wechſelten bedeutungsvolle Blicke mit einander. 8 Zwei Tage mochten etwa vergangen ſein als im Stipendium ein herzoglicher Laufer erſchien, mit dem Vermelden, der Herr Magiſter NN. habe ſich alſogleich zu Sr. Herzoglichen Durchlaucht zu verfügen. Der Magiſter und Dichter warf ſich in ſeine raben⸗ ſchwarze Galatracht und erſtieg den Schloßberg ohne zu wiſſen was ihm dieſe Ehre verſchafft habe. Er wurde aber bald belehrt als ihm der Herzog mit den Worten entgegentrat:Mein lieber Magiſter, Ich habe vernommen daß Er ein ſehr guter Declamator ſei. Alſo declamir' Er mir mal was!Gnädigſter Herr, es fällt mir im Augenblicke nichts bei was Ewr. Durchlaucht würdig wäre.So will Ich Ihm was geben. Der Herzog nahm von einem Tiſchchen ein Blatt das er ihm hinreichte. Der Ma⸗ giſter aber, als er nur die erſten Worte angeſehen hatte, glaubte in den Boden ſinken zu müſſen, denn ſie lauteten:Tyrann, herab von deinem Thron! Der Herzog ſah ihn eine Weile mit durch⸗ bohrenden Augen an, und dann entwickelte er jene Beredſamkeit, ich ſage jene Beredſamkeit! Es wird ja wohl kaum einer unter uns ſein, der ſie nicht auf eine oder die andre Weiſe kennen gelernt hätte.Schämt Er ſich nicht, rief er zuletzt,Sein Talent, das Ihm die gütige Vorſicht zum Wohl der Menſchen geliehen hat, zur Ver⸗ unglimpfung der von Gott über Ihn geſetzten Obrigkeit zu miß⸗ brauchen? Wäre es nicht beſſer dieſe Gabe Seinem Studium und Seinem Berufe gemäß zu verwenden? Aber es iſt freilich leichter ſolche elende Verſeleien zu fabriciren als eine tüchtige Predigt hervorzu⸗ bringen, wodurch die Menſchen gebeſſert werden. Das wird Er ſich nicht getrauen! Er hielt inne, und der Magiſter, in der Ueberzeugung daß es nun ſchon einmal um den Kopf gehe, erwi⸗ derte dreiſt:Gnädigſter Herr, ich getraue mirs doch.Was, Er getraut ſichs?Ja, Ew. Durchlaucht!Geh' Er hin,