Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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Dennoch lernte Schiller ſeinen Widerwillen gegen Stuttgart bezwingen. Von Ludwigsburg, wo er längere Zeit wie einſt der Herzog in den Tagen ſeiner Ungnade reſidirte, kam er erſt einige Mal mit dem Hofmedicus Hoven auf einen Abend herüber, und da dieſem ſein ärztlicher Beruf den Ausflug nicht oft genug ge⸗ ſtattete, ſo quartierte ſich der Dichter endlich auf einige Zeit ganz in der Hauptſtadt ein, obgleich als Hinterſaße, denn er wohnte außer⸗ halb, am Fuße der Reinsburg und am Wege nach der Solitude, im großen Hofküchengarten. Die Freunde kamen häufig theils hier theils in andern Häuſern mit ihm zuſammen. Die Sitten und Lebensgewohnheiten waren nach dem Beiſpiel des Herzogs, der, wenn er zuweilen mit ſeiner Franzel nach Stuttgart kam, das Eſſen von einem Traiteur um einen Ducaten bringen ließ, höchſt einfach geworden, und ſo konnte man, ohne ſich wehe zu thun, ein paar gute Bekannte je öfter je lieber mit einem Kruge Weins bewirthen, mochte dieſer nun in den Kriegsbergen oder in Uhlbach gewachſen ſein.

Ihr liebt es, begann Zumſteeg eines Abends, und Schiller liebt es insbeſondere, kleine Charakterzüge, ſelbſt Anekdötchen zu hören, wenn ſie zugleich etwas Symboliſches an ſich haben, oder, um mich meinem Fach gemäß auszudrücken, wenn ſie andre Töne und Melodieen mit anklingen laſſen. Nun will ich euch etwas vortra⸗ gen das vielleicht dieſe Eigenſchaft hat und uns eine ganze wohl⸗ bekannte Epoche in einem kleinen Spiegel zeigen wird.

Sag' dein Sprüchel und theils uns mit! rief der Dichter.

Wohlan! ſprach Zumſteeg. Ihr wißt alle von des Herzogs

früheren Beſuchen in Tübingen, da er ſich als Rector Magni-

ficentissimus noch neu war und ſeine Reden hielt. Damals hatten etliche Magiſter einen kleinen Club wo ſie einander Gedichte vor⸗ laſen. Nun begab es ſich, daß ein ſolcher Magiſter eines Abends ein Gedicht vortrug, welches anfing:Tyrann, herab von deinem Thron! Ich brauche nicht zu ſagen gegen wen es gerichtet war, und daß es den rauſchendſten Beifall fand unter den jungen