Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

bin, ſagte er zuletzt,dann werden ſie einſehen was ich alles gewollt und wie gut ichs gemeint habe.

O das hereinbrechende, das überwältigende Alter! rief der Dichter aus. Wie verräth es ſich in dieſer Beichte, die mich nicht wenig überraſcht!

Auch ſchien er es zu fühlen daß er ſich zu weit herausgelaſſen habe, ſagte Heinrich: er brach auf einmal ab, der alte Götterblitz fuhr über ſeine Miene, er richtete ſich hoch im Seſſel auf und entließ mich mit einem barſchenNun adieu!

Da kann ich ihn ganz ſehen und hören! rief der Dichter.

Zuvor hatte er mir noch einen Spaziergang durch den be⸗ rühmten Park erlaubt, und mich aufgefordert die Grabſchrift zu leſen, die der Eremit ſeitdem erhalten hat. Ich durchwandelte den Garten, des Vergangenen eingedenk, mit ſeltſamen Gefühlen, und fand das merkwürdige Epitaphium, das ich auswendig behalten habe und dir, wenn du es hören magſt, wiederholen kann.

Sag' an! verſetzte der Dichter.

Freund, ich genoß die Welt, genoß ſie in ihrer ganzen Fülle. Ihre Reize rißen mich dahin. Blindlings folgte ich dem Strome. Gott! welch ein Anblick als mir die Augen aufgingen! Tage, Jahre floßen dahin und des Guten ward nicht gedacht. Heuchelei, Falſchheit vergötterten die niedrigſten Handlungen, und der Schleier der die Wahrheit bedeckte war wie ein dunkler Nebel, den die ſtärkſten Strahlen der wohlthätigen Sonne nicht unterdrücken konnten. Was bleibt mir übrig? Freund, dieſer Stein bedecke mein Grab und damit alles Vergangene! Herr! wache du über meine Zukunft!

Schiller ſchwieg nachdenklich. Unter dieſen Geſprächen waren ſie zu dem elterlichen Hauſe des Dichters gelangt, deſſen Vater während der Flucht und Abweſenheit des Sohnes dem Herzog, ohne von ihm etwas Ungleiches zu erleiden, ſeine Gärten und Pflanzſchulen treulich gehütet hatte.