Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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habt ſich in Heilbronn vor Anker zu legen: er kann ruhig kom⸗ men und bleiben ſo lang es ihm gefällt. Er erkundigte ſich wie⸗ derholt nach deinen Lebens⸗ und Arbeitsplanen und ſchloß endlich: Ja, ja! der Mann hat ſich recht notabel gemacht.

Und wie haſt du ihn ſelbſt gefunden?

Um es gut ſchwäbiſch zu ſagen, er gefällt mir nicht. Ich ſah ihn geſtern auf einer Jagd bei Nürtingen, wo er mich einlud nach Hohenheim zu kommen. Da ſaß er ſo ſtattlich und aufrecht zu Pferde wie in ſeinen beſten Tagen. Heute aber, im Zimmer, kam er mir ganz anders vor; er ſtützte ſich, gebückt und verfallen, auf den Stock, und als der gebieteriſche Mann endlich der Gicht nachgeben und ſich ſetzen mußte, da konnt' ich die Rührung kaum bezwingen. Er war gütig, ja liebreich gegen mich. Es war mir als ob ich meinen alten Ephorus in Tübingen beſuchte; denn, die paar Soldaten abgerechnet, wars nicht anders als wenn ich zu einem Privatmann gekommen wäre. Auch wohnt er ſehr beſchei⸗ den in der Meierei, und nicht in dem prächtig ausgeſtatteten Schloſſe, das er wie eine Chriſtbeſcherung ſpart. Ich kann dir nicht beſchreiben wie wehmüthig dieſer Beſuch mich geſtimmt hat. Sein Alter iſt einſam und freudenlos. Selbſt ſein Lieblingskind, die Akademie, macht ihm keine Freude mehr: ſie nährt revolu⸗ tionäre Ideen

Das kann ich mir denken! rief der Dichter.

Merkwürdige Streiche hab' ich von den jungen Leuten gehört. Daß die Redouten zu Ertravaganzen herhalten mußten, iſt in unſern Tagen wohl auch vorgekommen, und dein Lächeln bezeugt daß dein Gedächtniß dir nicht untreu geworden iſt. Aber ſo ſy⸗ ſtematiſch haben wirs nicht getrieben. Einmal führten auf einer Redoute drei dieſer jungen Geiſter mit einem Vierten, einem Cava⸗ lier obendrein, der ſich dazu hergab, die Abſchaffung des Adels auf, indem ſie, in die franzöſiſchen Farben gekleidet, ihm, der mittel⸗ alterlich coſtumirt war, Wappen und Stammbaum in Fetzen rißen und ihn kahl aus dem Saale jagten; die politiſche Komödie wurde