Der iſt der Antichriſt! erwiderte der Todtengräber: ſonſt weiß ich weiter nichts von ihm.
Das wär' auch genug! Wer hat Euch denn das geſagt?
Der alte Schulmeiſter, und der weiß es vom alten Special, und der iſt ja ein Gelehrter.
Er ſcheint ſich die Gelehrſamkeit wohlfeil zu machen, erwiderte der Fremde mit ſcharfem Ton. Ich ſag' Euch, Mann, der Kant iſt ein Menſch ſo gut wie wir, und hat weder Hörner noch Pferdefuß.
Habt Ihr ihn denn geſehen? fragte der Todtengräber etwas ungläubig.
Ja, in Königsberg, wohin ich ein paar junge Herren zum Studiren begleitete.
Ach du Herr mein! rief der Todtengräber: am End' iſt er gar auch ſo Einer geworden. O Herr, denkt an Euren gottes⸗ fürchtigen Vater und bewahret Eure Seele!
Der Fremde drückte ihm freundlich die Hand und ſagte: Ich habe mich dem Manne, der Euch und dem Schulmeiſter und dem Special ein Dorn im Auge iſt, weder verſchworen noch verſchrie⸗ ben; aber ich kanns nicht leiden wenn man mehr oder weniger als einen Menſchen aus ihm macht.
Der Alte ſchien ſich zu beruhigen. Da der Gottesacker ſamt dem Kirchlein mitten im Dorfe lag, ſo ſchrie er über die niedrige Mauer hinüber, und bald war der Fremde von alten Bekannten umgingt. Dig Schulzenfrau ſagte ihm er ſei recht tüchtig gewach⸗ ſen, die Schülmeiſterin bewunderte ſeine feine Wäſche, und jedes hatte etwas zu fragen und zu erzählen. Er erfuhr die Annalen des Dorfes ſeit der Zeit da er es verlaſſen, und erzählte dagegen von ſeiner eignen Lebensgeſchichte was er ihnen zu wiſſen für gut hielt. Er ertrug es freundlich daß ihm die Abſicht den Gräbern ſeiner Lieben einen verſchwiegenen Beſuch zu machen vereitelt worden war; da man ihm aber auch auf die Länge keine Einſam⸗ keit gönnte, ſo wollte er ſich eben losmachen, als näher denn von


