Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

370

als es galt ſeinen Eltern dieſen Grabſtein zu ſetzen; er erinnerte ſich welche Mühe es ihn gekoſtet hatte ſeine damalige Geſchmacks⸗ richtung bei einer Inſchrift zu behaupten, die freilich beſſer auf ein Heldenpaar von Morven als auf einen alten Pfarrer und ſeine ihm nachgeſtorbene treue Gattin paßte. Mit ganz andern Gefühlen las er jetzt die herzlichen Worte auf der Vorderſeite:; ſie verſetzten ihn wieder in die Tage der Jugend, der Heimath, und ſein ruhiges Auge war von einem Glanz überflogen der mit dem Ausdruck der Landſchaft übereinſtimmte.

Er erſchrack ein wenig als er zu ſeinen Füßen eine Stimme vernahm. Ja, jal rief es aus dem Boden herauf: der Grabſtein iſt wohl das Anſchauen werth; unter dem liegt ein ſo braver Herr wie es wenig mehr gibt, und die Frau deßgleichen.

Es war der Todtengräber, der eben eine friſche Schlafſtätte bereitete. Er ſah erſt eine Weile nachdem ſich der Fremde gegen ihn gekehrt hatte von ſeiner Arbeit auf, blickte ihn an, ließ den Spaten fallen, ſchlug die Hände zuſammen und rief: O Herr mein! das iſt ja unſers alten Pfarrers ſein Heinrich! der vor mehr als zehn Jahren das Land verlaſſen hat!

Er ſchwang ſich, ein Mann ſtark in den Sechzigen, mit jugend⸗ licher Leichtigkeit aus der Grube, um dem Ankömmling derb in die Hände zu ſchlagen. Wie? rief dieſer: Ihr kennt mich noch, Meiſter Todtengräber?

Das will ich meinen! O! der Mutter wie aus dem Geſicht geſchnitten! Das war noch eine Pfarrerin! Gott hab' ſie elig! Da wars noch gut arm und krank ſein, ſo lang die im Pfarr⸗ hauſe ſaß! Und der Herr, in Worten und Werken ſtreng nach der Bibel! Das war ein andrer als der jetzige. Nun, es iſt noch ein junger Herr, ich will ihm gerade nichts Uebles nach⸗ geſagt haben, aber im Chriſtenthum iſt er nicht ſo feſt beſchlagen, ich glaub', er hats mit dem Kant. 3

Mit dem Kant! rief der Fremde laut lachend. Was wißt

Ihr denn von dem?