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fremd geworden? haft du ſo lang nicht geraucht daß du vergeſſen haſt was ein Pfeifenſyſtem heißt? Uebrigens will ich dir einen Vorſchlag machen. Du weißt, ich konnte nie wenn mirs recht wohl war zu Hauſe bleiben; dir aber ſeh' ich an, daß es dir nicht beſonders wohl iſt in der Rumpelkammer da. Wollen wir nicht ins Wirthshaus gehen? Wir haben eine kleine Stunde, und treffen leidlichen Wein, vielleicht ſogar geiſtliche Geſellſchaft.
Einverſtanden, erwiderte Heinrich, das heißt wenn die Frau Pfarrerin nichts dagegen hat.
Die wird man viel fragen! rief der Pfarrer trotzig: meinſt du denn, ſie mißgönne mirs wenn ich mir einmal eine Freude machen will? Uebrigens will ich ihrs doch ſagen, fügte er hinzu, daß ſie ſich darnach richten kann.
Er rief ſeine Frau an die Thüre und trug ihr die Sache vor. Man konnte ihr wohl anmerken daß ſie nicht beſonders erfreut war, doch ſcheute ſie ſich vor dem Gaſt und ſagte nach einigem Beſinnen: So geh' meinetwegen, komm aber nicht ſo ſpät nach Hauſe, und das will ich dir geſagt haben daß du mir nicht zu viel trinkſt!
Der Pfarrer ging etwas ärgerlich in ihre Bedingungen ein und ſagte dann zu Heinrich: Komm, jetzt will ich dir noch ein Kunſtwerk zeigen eh' wir gehen. Er nahm ihn an der Hand und leitete ihn vorſichtig über die Tannzapfen zu der Bettlade hin: es iſt ein Erbſtuck von meinem Schwiegervater, ſagte er, und ein Meiſterwerk eines ländlichen Schreiners, der ſich zugleich erholungs⸗ weiſe mit der Malerei abgegeben hat.— Er ſchlug die Vorhänge aus einander und zeigte ihm ein Deckenſtück, den ſchlafenden Pa⸗ triarchen Jakob vorſtellend, über ſeinem Haupte die Himmelsleiter, an welcher Engel mit großen Flügeln auf⸗ und niederſtiegen; dar⸗ unter war der Vers geſchrieben:
Ich darf mir keine Sorge machen, Der Hüter Israels wird wachen, Dieß gibt er ſeinen Kindern nur! Schiller's Heimathjahre. II.


