—
11
Spotte du nur! rief der Pfarrer: mir iſts wohl. Aber jetzt erzähle!
Er nahm die beiden Kinder auf die Kniee, beruhigte ſie und ſaß aufmerkſam dem Freunde gegenüber. Dieſer berichtete in der Kürze ſeine Fata und entdeckte den Zweck ſeiner Reiſe, ohne jedoch mehr als das Nöthigſte zu verrathen; er erlaubte ſich ſogar eine kleine Lüge und gab vor, ein blutjunger Menſch von edler Her⸗ kunft und phantaſtiſchem Weſen habe den abenteuerlichen Einfall gehabt, unter die Zigeuner zu gehen und mit ihnen in den Wäl⸗ dern umherzuziehen; nun wünſche der Herzog um ſeines Vaters willen, man möchte den Jüngling zur Vernunft bringen und die Sache in der Stille abmachen.— Er hoffte auch durch den glück⸗ lichſten Erfolg ſeiner Nachforſchungen nicht Lügen geſtraft zu wer⸗ den, indem er aus der Kleidung in welcher Laura von der Mas⸗ kerade entflohen war mit Zuverſicht ſchloß, ſie werde ſich des männlichen Anzugs ſeither fortwährend bedient haben.
Der Pfarrer hatte mit ſichtlicher Spannung zugehört. Was Teufels! rief er als Heinrich geendet hatte: der Burſche hat ſich gewiß aus den Räubern zu dieſem verrückten Streiche begeiſtert!
Heinrich ſah ihn erſtaunt an, er erinnerte ſich auf einmal des großen Eindrucks den das Buch auf Lauren gemacht hatte. Wahr⸗ haftig, ſagte er nachdenklich, du könnteſt Recht haben. Aber— haſt du denn die Räuber auch geleſen?
O freilich! meinſt du denn, man ſei hier ganz excommunicirt? Ein College lieh mir ſie, und ich habe das Buch wohl zehnmal durchgepeitſcht. Hör''mal, das iſt'n ganzer Kerl, der das ge⸗ ſchrieben hat!
Wenn nur, verſetzte Heinrich, wenn nur Freund Schiller mit ſeinem Buch in dieſem Fall nicht einen höchſt unſinnigen Streich veranlaßt hätte.
Schiller heißt er? rief Matthäus: das Titelblatt war ausge⸗ riſſen. Kennſt du ihn? wo lebt er denn?
8 A


