Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10 auch nicht befriedigen können, wenn ich mich nicht erinnert hätte daß ich noch eine kleine Schachtel mit geröſteten Kaffeebohnen von meinem Vicariat her, als Geſchenk meiner damaligen Pfarrerin, 4 beſitze, welche nun, wie du vernehmen wirſt, von meiner Frau in Ermanglung einer Kaffeemühle im Mörſer geſtoßen werden. Heinrich lachte herzlich und verſicherte, es ſei ihm überhaupt 1 nur um etwas Warmes zu thun. Du armer Schelm! fuhr der Pfarrer fort: dein Rappe iſt

wahrſcheinlich glücklicher als du, der ſteht drunten in der Scheuer und frißt was Gott uns beſchert hat. Aber jetzt erzähle.

Eines der Kinder war indeſſen herbeigekrochen, hatte ſich Heinrich gegenüber hingeſetzt, ihn eine Weile ſtarr angeſehen, und brach nun auf einmal in ein fürchterliches Geſchrei aus; im Augenblick rückte das andre auch heran und ſecundirte. Eben, rief der Pfarrer, wollt' ich dir meine Jugend vorſtellen, nun präſentirt ſie ſich ja ſelbſt. Sei ſtill, Röschen! ſchäme dich, Matthäus! ſo ſpricht man nicht mit gebildeten Leuten. 4

Röſe! rief er ſeiner Frau entgegen, die auf den Lärmen zur Thüre hereinſah: ſchaff' doch die Kinder fort! ſie krakeelen daß man kein vernünftiges Wort reden kann.

Eil verſetzte die Pfarrerin, ſah ihn groß an und ging wieder an ihr Geſchäft: mach' du daß ſie ſchweigen!

Wie nennt man die artigen Dinger? frug Heinrich: ſie führen den Namen von einem alten griechiſchen Gott und einem nord⸗ deutſchen Dorfbewohner ich glaube wir haben einander einmal in Tübingen das Räthſel aufgegeben.

* Du biſt im Irrthum, antwortete der Pfarrer ſchnell: meine Frau trägt keine Pantoffeln, ſondern Stelzſchuhe. Ueberdieß iſt ſie die gute Stunde ſelbſt, nur in ſolchen Sachen muß man nicht zu genau mit ihr ſein, das verſteht ſie nicht beſſer.

Alſo iſts eine Tragödie, ſagte Heinrich, da dein häusliches 4

Glück auf dem Kothurn einherſchreitet.