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er endlich am ſpäten Nachmittag in einem tiefen Bergkeſſel das
Ziel ſeiner Reiſe vor ſich liegen. Er entließ den Führer und ſtieg einen Pfad hinab, der eher dem ausgetrockneten Bette eines Run⸗ ſenwaſſers glich, vorſichtig das Pferd am Zügel nachführend und in wehmüthigem Sinnen. Welch eine friſche Natur, ſagte er, hat ſich in dieſe ſtarre Einſamkeit begraben! was wird er ſagen wenn er mich erblickt! wie mag es ihm wohl ſeither ergangen ſein?— Seine ganze Seele weilte bei dem Freunde der ſich hier unten in dieſem engen Bezirke ſein kleines Königreich abgeſteckt hatte, und dazwiſchen durchzuckte ihn wieder der Gedanke an das zarte Weſen das an einer gewiß noch unwirthlicheren Stätte in der Gewalt der wildeſten Geiſter dieſer Oede ſein mochte.
Endlich hatte er den engen Thalgrund erreicht, er ſaß auf und
ritt auf die zerſtreuten ſchlechten Hütten zu, welche das Dörf⸗
chen bildeten. Welche armſelige Bauart! und doch hatte ſie etwas das ihn freundlich und wohnlich anſprach: es war eine Bekleidung von Schindeln, die in ſchmale ziegelähnliche Stücke geſchnitten und zierlich in einander geſchoben die Wände der Häuſer vom
Giebel bis zum Boden gegen Schnee und Regen ſchützten. Die einen waren mit einem fröhlichen Roth angeſtrichen, den andern
hatte die Zeit ein ehrwürdiges, gaſtlich einladendes Grau gegeben. Er ſah ſich rings um, konnte aber weder eine Kirche noch ein Haus das einem Pfarrhauſe ähnlich ſah entdecken, und mußte wiederum die Hilfe eines Wegweiſers anſprechen. Ein Bauerjunge führte ihn zu ſeiner Verwunderung gerade zum Dorf hinaus und er wollte eben fragen wie dieß eigentlich gemeint ſei, als ſein kleiner Führer um das Eck eines der vorſpringenden Berge herumbog und mit dem Finger vor ſich hinwies. Heinrich ſah noch einige Häu⸗ ſer in der Entfernung liegen, vereinzelt wie die übrigen; auf das größte ritt er zu, der Junge hatte ihn bereits verlaſſen. Als er näher kam, entdeckte er daß das Haus einen bretternen Thurm hatte, und ſchloß daraus, dieß müſſe die Kirche ſein. Nun wandte er ſich, einem richtigen Gedankengang zufolge, nach demjenigen


