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Großer Gott! rief Francisca: ich habe keinen Zweifel mehr! ſie hat ſich in ihrer Maske unmittelbar von der Redoute weg ent⸗ fernt, Jetzt iſt ſie ſchon tief im Schwarzwalde; wer will ſie in jenen Schlupfwinkeln ausfindig machen?
Sein Shakſpeare hat am Ende doch nicht ſo ganz Unrecht, warf der Herzog finſter lächelnd gegen Heinrich hin, und das Ab⸗ ſurdeſte iſt vielleicht gerade darum das Wahrſcheinlichſte.
Er machte einen Gang durch das Zimmer, dann kam er plötzlich mit dem Ausdruck des Vertrauens auf ihn zu, legte ihm beide Hände auf die Schultern und ſagte: Meine Franzel hat einen geſcheiden Einfall gehabt. Geh' Er auf den Schwarzwald und ſeh' Er was zu thun iſt. Ich verlaſſe mich auf Ihn daß Er vernünftig handeln wird. Und, was ich Ihm ſage, lieber zögern
als übereilen! wir haben ſie jetzt ſchon einen Tag aus den Händen:
ob's mehrere werden iſt ſo ziemlich egal. Wenn Er ſie aufſtöbert und ſie folgt Ihm nicht gutwillig, ſo gibt Er mir ſogleich Nach⸗ richt— oder— ich will Ihm eine Vollmacht ausſtellen, welcher Er ſich aber nur im alleräußerſten Fall bedient. Wenn es an dem iſt daß Er ſie zurückbringen kann, ſo nimmt Er aus dem nächſten beſten Hauſe eine ordentliche Frau zur Begleitung mit. Aufſehen vermeiden! das iſt die einzige Ordre die ich Ihm mitgeben kann; ſonſt hat Er unbedingte Freiheit nach Umſtänden zu handeln. Vergeſſ' Er mirs nicht: lieber Alles zu Schanden gehen laſſen als Skan⸗ dal erregen! Er verſteht mich!
Heinrich kam dem Auftrag mit Jubel entgegen; er hatte kein Auge für die Schwierigkeit des Unternehmens, für das Gefahrvolle und Verantwortliche dieſer unbedingten Vollmacht; er hatte den
unglücklichen Ausgang einer früheren ähnlichen Sendung völlig
vergeſſen. Ein trunkener Muth zeigte ihm die Dinge welchen er entgegengehen ſollte im heiterſten Lichte. Nun konnte er den Verrath den er in der Ueberraſchung ſeines Herzens an dem Fräu⸗
lein begangen wieder gut machen, er konnte die ſchlimme Ver⸗
wicklung mild und liebreich löſen, er konnte dem verhaßten Unbe⸗ Schiller's Heimathjahre. I. 21
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