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kannten die Spitze bieten, er konnte— ach, was konnte er nicht alles! Noch immer klang ihm jene Aufforderung nach, die ſie ihm beim Abſchiede zugerufen hatte; wenn ſie wollte daß er ihr folgen ſollte, wenn ſie in dieſer neuen Umgebung ſeine Gegen⸗ wart ertragen konnte, ſo konnte ihr Verhältniß zu dem Gefährten ihrer Flucht unmöglich ein leidenſchaftliches ſein.
Francisca gab ihm die mütterlichſten Ermahnungen während der Herzog ſchrieb. Die fromme Sorge die aus ihren Worten ſprach rührte ihn beinahe zu Thränen. Der Herzog überreichte ihm eine Vollmacht die ihm überall Mannſchaft aufzubieten geſtattete, und ſchärfte ihm wiederholt ein dieſelbe auf den dringendſten Fall zu reſerviren. Hat Er ſich ſchon einen Plan ausgedacht? fragte er.
Ja, antwortete Heinrich. Mein nächſtes Ziel iſt das Haus eines genauen Univerſitätsfreundes, das ich zum Mittelpunkt meiner Operationen beſtigimt habe. Von dort aus kann ich durch unverdächtige Kundſchafter wirken, während ich ſelbſt in der erſten Zeit ganz unſichtbar bleibe. Der Einfluß eines Pfarrers hilft mir am eheſten dieſes koſtbare Document ſparen.
Er ſetzte das Wer? Wo? und Wie? mit geflügelten Worten aus einander, ſo daß der Herzog endlich rief: Das laſſ' ich mir gefallen! Reiſ' Er glücklich und laſſ' Er Uns bald was Erwünſchtes hören. Ueberſeh' Er nicht daß Er hier ganz als ein vertrauter Freund tractirt worden iſt.
Adieu, mein lieber Roller! ſagte Francisca als er ihr die Hand küßte: es iſt mir leichter um das Herz, ſeit ich Sie mir in einem befreundeten Hauſe, bei wackern Leuten denken darf.
So endete dieſe Audienz wider alles Erwarten weit freund⸗ licher als ihr Beginn hatte vorausſehen laſſen, und wenige Au⸗ genblicke darauf ſaß unſer Held voll Muth und Feuer zu Pferde.
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