Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

319

Die Nachforſchung iſt auch darnach, bemerkte der Herzog ärgerlich. Man kann ja den Leuten nicht deutlich ſagen auf wen ſie eigentlich fahnden ſollen.

Sie ſind der Einzige, verſetzte die freundliche Francisca, dem man die ganze Wahrheit vertraut hat. Wie wäre es denn, wenn Freund Roller ſich nach dem Schwarzwald aufmachte um daſelbſt nachzuſpüren? Sie hat immer viel auf ihn gehalten.

Ja, vielleicht hieße es auch den Bock zum Gärtner ſetzen, mur⸗ melte der Herzog vor ſich hin und warf ſich in einen Seſſel: Ich traue keinem Menſchen mehr!

Unſer Freund beſtand in dieſer kritiſchen Stunde eine harte Prüfung. So klar ſeine Reden waren ſo trüb und ſtürmiſch gährte es in ſeinem Innern. Indem er in leidenſchaftlicher Ahnung dem Herzog das Geheimniß von der Flucht des Fräuleins gewiſſermaßen entriſſen, hatte er zugleich einen Theil ſeines eigenen, und zwar gerade denjenigen Theil den er als anvertrautes Gut betrachten mußte, preisgegeben. Dabei war er keineswegs ſicher ob er den andern Theil dieſes Geheimniſſes, der ihn ſelbſt betraf, hinreichend bewahrt habe, ob nicht der Scharfblick des Herzogs, auch in dieſer Stunde der Aufregung, groß genug ſei um ſeinen wahren Herzens⸗ zuſtand zu durchſchauen; das Verhör in das er ihn berufen, das Mißtrauen das er ihm bewies, ſchien zum mindeſten von einem unbeſtimmten Argwohn zu zeugen. Aber noch mehr als alles dieſes peinigte ihn der Gedanke an den unbekannten Nebenbuhler, mit deſſen Hilfe, ja ohne Zweifel in deſſen Geſellſchaft ſie entflohen war. Er ſah während des ganzen Geſpräches immer jene Zigeu⸗ nermaske vor ſich; wie ein Blitz war ihm die Erinnerung an ein neckiſches Wort gekommen das Laura vor langer Zeit einmal hin⸗ geworfen hatte, das er vielleicht nicht ſo uneigentlich hätte ver⸗ ſtehen ſollen wie er es damals verſtand. Er mußte ſich um jeden Preis Aufklärung verſchaffen und wandte ſich daher an die Gräfin: Wenn meine Vermuthungen für Sie von Gewicht ſind, gnädigſte