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Heinrich glaubte ſein ganzes Geheimniß verrathen; doch be⸗ ſchloß er, ſich an die buchſtäbliche Faſſung der Fragen haltend, noch eine Weile zu laviren, und verſicherte daß er erſt dieſen Morgen, nachdem er aufgeſtanden, den Gedanken gehabt habe die heutige Muße zu einem kleinen Ausfluge zu benutzen, den er um Zeit zu gewinnen Punkt für Punkt beſchrieb.
Mein Schatz, ſagte hierauf Francisca, Sie ſehen er iſt un⸗ ſchuldig, wie ich ja gleich geſagt habe. Er hat den Sinn Ihrer Frage nicht einmal begriffen.
Ruhig, mein Schatz!— Hat Er niemanden begleitet auf dieſem Spaziergang? Ich ſage, Er hat jemanden begleitet.
Ew. Durchlaucht halten zu Gnaden— nein!
Komm' Er näher zum Licht! hieher! ich will Ihm ins Ge⸗ ſicht ſehen.
Heinrich überzeugte ſich mehr und mehr daß es ſich hier um eine ganz außerordentliche, ihm noch unbekannte Angelegenheit handeln müſſe, und daß ſein kleines Abenteuer von geſtern keinen ſolchen Sturm erregt haben würde. Er hatte ſeine Faſſung wieder gewonnen, trat an das Licht und ſah dem Herzog ruhig in die Augen.
Der Herzog blickte ihn ſcharf an. Weiß Er, ſagte er, warum ich Ihn habe rufen laſſen?
Nein, Ew. Durchlaucht.
Meine Gemahlin mags Ihm ſagen.
Francisca huſtete ein wenig, dann begann ſie: Sie werden erſtaunen, lieber Roller! Ihre Schülerin——
Fräulein Laura! Sie wird doch nicht— er war unbedacht⸗ ſam herausgefahren, und ſtockte.
Wo iſt ſie? ſtürmte der Herzog halb bittend halb drohend auf ihn ein.
Auf dem Schwarzwald! rief Heinrich unwillkürlich mit der Miene der ſchreckenvollſten Entdeckung. Es war mit einem elektri⸗ ſchen Schlage wie ein prophetiſches Schauen in ihm aufgegangen.


