Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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haben. Freilich ſcheint er nicht facultäts⸗ und brodfähig zu ſein. Aber das bin ich feſt überzeugt: wer ſein Tagewerk pflichtmäßig abſpinnt und medicaſtrirt oder Parteien verhört oder docirt, und zwiſchen hinein eben ſo gleichmüthig wieder Verſe macht, der iſt kein ächter, kein berufsmäßiger Dichter: ſeine Liebhaberei will ich ihm übrigens nicht verwehren.

Er hatte in aller Unſchuld einem Dilettantenherzen eine Wunde geſchlagen; denn nichts verzeiht man ſchwerer als wenn ein Poet, welchen man doch mit Herausforderungen auch nicht verſchont, ſich gelegentlich einmal in die Bruſt wirft. Er ſah dem Freunde die Verſtimmung die dieſer nicht verbergen konnte in den Augen an und fügte hinzu: Dagegen iſt auch kein Menſchenkind ſo übel dran als ein Dichter in den Stunden wo er von ſeinem Genius verlaſſen iſt. Die andern ſind doch noch immer alles Mögliche: er aber iſt dann gar nichts. Und ſolche Seußzer einer leeren Bruſt ſind die Wiegenlieder des Fiesco. Ueberhaupt, rief er plötzlich abſpringend, es iſt ein unausſprechlich armſeliges Leben hier! Ich wollte mich gar nicht ſträuben wieder in die Akademie zurückzu⸗ kehren; wie ganz anders hab' ich mir dort die Welt vorgeſtellt! Und vollends die Weiber! ich möchte nur wiſſen ob ſie anderswo auch ſo wären. Höre, wir ſind unter uns und ich will dir frei bekennen daß ich alle Anſprüche auf Dichterruhm mit Freuden einem rechten Mädchen opfern wollte, und ich glaube es geht jedem bra⸗ ven Jungen ſo. Freilich müßte ſie darnach ſein. Aber es iſt was gar zu Armſeliges um die Weiber wie ſie jetzt ſind! Die einen bloß ſinnlich, die andern bloß moraliſch. Die Liebe fordert in bei⸗ derlei Hinſicht einen gewiſſen Heroismus, und der geht allen ab. Es iſt mir als wäre eine alte heilige Religion verloren gegangen. Dieſes Schwaben! fuhr er fort: wie haben die Minneſänger ſeine Frauen geprieſen! War es Lüge und poetiſche Fabel, oder hat ſich das ſo ganz geändert? Höre, ich will mir eine Phantaſie⸗ geliebte erfinden, aber keine idealiſirte Laura, ſondern ein Geſchöpf mit allen Eigenſchaften der Wirklichkeit. Ich will ſie beſingen, ihr