Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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ſtändniß oder gar einen Beifall in Anſpruch nehmen zu können. Doch hatte Francisca, die im Bücherkaufen nicht verſchwenderiſch war, ſich von Heinrich die wilde Tragödie zum Leſen geben laſſen, und ſeit dieſer Zeit begann das Fräulein ſich mit einiger Leb⸗ haftigkeit nach dem Dichter zu erkundigen. 1

Er hatte ſchon mehrmals verſprochen ihr den außerordent⸗ lichen Züngling bei einer der Paraden auf dem Schloßplatze zu zeigen, und eines Tages, als die erlauchte Duenna eben ſchnell zum Herzog berufen worden war, zog ſie ihn ans Fenſter und fragte: Sind das nicht Augé's Grenadiere?

Die Parade begann ſo eben. Heinrich, mit Farben und Waffengattungen nicht ſonderlich vertraut, ſah ſich nach bekannten Geſtalten um und entdeckte bald den dithyrambiſchen Arzt. Der Regimentsmedicus ſtand in dieſem Augenblick den beiden Zuſchauern gegenüber faſt in der Mitte des Platzes, mit etwas geſenktem Haupte den Befehl erwartend der ihn zur Abſtattung des Rapports berief.

O ja, antwortete Heinrich: denn dort ſteht Freund Schiller.

Wie? welcher? wo?

Er zeigte hin. Sie betrachtete den Dichter eine Weile und brach dann in ein lautes Gelächter aus. Was? dieſer Storch? rief ſie: ſteht er nicht da, geſpreizt, als ob er juſt einen Familien⸗ ſegen zu beſcheren hätte? Jetzt! jetzt! ſehen Sie wie er mit dem Zopfe rudert! Und die beiden unförmlichen Walzen mit den ſchwarzbeklexten Camaſchen drüber! Pfui! Das iſt der Dichter der Räuber?

Die Freundſchaft war in dieſem Augenblick nicht die oberſte

unnter den Mächten die das Herz des jungen Lehrers beſaßen: denn ſonſt wäre er der muthwilligen Spötterin gram geworden.

Doch lachte er nicht mit, ſondern erwiderte ernſthaft: Wer ihn näher 4

kennt ſieht über dieſe Außendinge hinweg. Aber wenn Sie das

nicht können ſo erblicken Sie wenigſtens darin den Jammer unſrer

Tage! Was in dieſer unangemeſſenen Hülle ſteckt das iſt ein

herrliches Werden: das andre iſt nur eine Satyre auf unſre Zeit.